162  Sachsen  während  des  Befreiungskriegs  von  1813.

also  französischerseits  die  Miene,  als  ob  zwischen  Napoleon  und
Sachsen  noch  alles  beim  Alten  stehe.  Anders  Thielmann.
Seine  Antwort,  er  werde  sich  eher  unter  den  Trümmern  der
Festung  begraben  lassen  als  von  dem  ihm  durch  seinen  König
ertheilten  Befehle  abgehen,  erreichte  zwar,  unterwegs  von  Kosaken
  aufgefangen,  Napoleon  nicht;  als  ihm  aber  am  nämlichen
Abende  Reynier  von  Eilenburg  aus  seine  Ankunft  für  den
nächsten  Tag  ankündigte,  ließ  er  ihm  sofort  sagen,  er  werde
niemanden  sich  der  Festung  nähern  lassen.  Höchst  ungehalten
über  diese  Weigerung  antwortete  Reynier  durch  Übersendung
von  Berthiers  Anordnung  wegen  der  Bestimmung  der  sächsischen
  Truppen;  er  bemerkte  dazu,  daß  er  eine  Anzeige  beim
Kaiser  aus  Anhänglichkeit  an  den  König  und  dessen  Truppen
unterlassen  wolle,  bis  er  Thielmann  selbst  gesprochen  habe,
worauf  dieser  ihm  die  angetragene  Zusammenkunft  sofort  zusagte,
  jedoch  mit  der  dringenden  Bitte,  sich  der  Festung  nicht
auf  Kanonenschußweite  zu  nähern.  „Eilen  Sie“,  antwortete
Reynier  seinem  Abgesandten,  dem  Major  v.  Cerrini,  kurz,
„nach  Torgau  zurück,  damit  ich  Ihnen  nicht  zuvorkomme“,
mußte  aber  zu  seinem  Verdruß  doch  bei  Süptitz  Halt  machen
und  die  Unterredung  mit  Thielmann  verlief  ohne  Resultat;
ebensowenig  richtete  eine  freundliche  Aufforderung  Ney's  aus,
der  bei  Schilda  stand;  die  Franzosen  aber  hielten  sich  durch
Plünderung  der  umliegenden  Dörfer  und  Mißhandlung  ihrer
Einwohner  für  die  verweigerte  Offnung  der  Festung  schadlos  ½.

Durch  Thielmanns  Weigerung  sah  sich  Ney  genöthigt,  den
Umweg  über  Wittenberg  zu  machen,  wodurch  der  Zug  gegen
Berlin  eine  erhebliche  Verzögerung  erlitt.  Unterdessen  war
Napoleon  von  Pegau  in  drei  Colonnen  zur  Verfolgung  des
geschlagenen  Feindes  aufgebrochen;  so  sehr  er  aber  auch  vorwärts
  drängte,  so  gelang  es  ihm  bei  der  festen  Haltung  der
Verbündeten  doch  nicht,  ihren  Rückzug  wesentlich  zu  beunruhigen.
Die  Preußen  hatten  am  öten  bei  Colditz,  Miloradowitsch  am
6ten  bei  Etzdorf,  am  7ten  bei  Wilsdruff,  am  8ten  bei  Kessels-1)

  v.  Holtzendorff,  S.  120ff.