Rückzug  der  Verbündeten  über  die  Elbe.  163

dorf  hitzige  Gefechte  zu  bestehen,  doch  behielten  die  Verbündeten
Zeit  in  Dresden  ihren  Übergang  über  die  Elbe  zu  bewerkstelligen
und  die  Brücken  hinter  sich  zu  verbrennen;  unmittelbar  hinter
ihnen  besetzte  Eugen  die  voll  Bangigkeit  ihres  Schicksals  harrende
Stadt.  Auf  die  Nachricht  hiervon  eilte  Napoleon  von  Wilsdruff
  herbei;  vor  dem  Thore  empfingen  ihn  zwei  Mitglieder
der  Immediatcommission  und  eine  Deputation  des  Magistrats
mit  der  Bitte  um  Schonung  der  Stadt.  „Habt  Ihr  Brod?“
herrschte  er  die  Letzteren  an;  „es  muß  Brod,  Wein  und  Fleisch
herbeigeschafft  werden.“  1)  Ohne  die  Stadt  zu  berühren  ritt  er
nach  dem  pirnaischen  Schlage  und  beobachtete  in  Begleitung
des  Vicekönigs  die  am  andern  Ufer  abziehenden  Gegner;  da
sich  der  übergang  an  dieser  Stelle  nicht  ausführbar  erwies,
eilte  er  nach  dem  unteren  Ende  der  Stadt,  Übigau  gegenüber,
eine  Abtheilung  leichte  Reiter,  welche  mittelst  eines  Kahnes
übersetzte,  bemächtigte  sich  der  am  jenseitigen  Ufer  liegenden
noch  glimmenden  Trümmer  der  abgebrannten  Floßbrücke  und
des  verlassenen  Schlosses  Übigau.  Sofort  wurden  Anstalten
getroffen  um  eine  neue  Brücke  zu  schlagen  und  während  der
Nacht  ununterbrochen  mittelst  Kahnes  Truppen  übergeführt,
die  sich  zum  Schutz  des  Brückenbaues  in  Übigau  verschanzten.
Sobald  die  Russen  dieses  Vorhaben  am  andern  Morgen  bemerkten,
  suchten  sie  es  durch  starkes  Tirailleur=  und  Kanonenfeuer
  zu  hindern,  ihre  ganzen  Gegenanstalten  litten  jedoch  sehr
fühlbar  unter  dem  zwischen  Wittgenstein  und  Miloradowitsch
ausgebrochenen  Zerwürfniß  und  sie  wurden  durch  die  überlegene
Wirkung  von  hundert  Geschützen,  die  Napoleon  bei  Brießnitz
auffahren  ließ,  vertrieben.  Da  jedoch  der  Bau  der  Floßbrücke
auf  Schwierigkeiten  stieß,  so  befahl  Napoleon  die  gesprengte
Steinbrücke  durch  einen  hölzernen  Einbau  schleunigst  wieder

1)  Odeleben,  Napoleons  Feldzug  in  Sachsen  (2.  Aufl.  1816),  S.  66f.
Nach  Norvins,  Portefeuille  I,  312  und  Fain,  Manuscrit  de  1813
(Paris  1824)  1,  373  ergoß  er  noch  einen  Schwall  zorniger  Worte  über
die  Deputation  wegen  des  festlichen  Empfangs,  den  die  Stadt  den  verbündeten
  Monarchen  bereitet,  und  erklärte  nur  aus  Liebe  zu  ihrem  Könige
ihnen  verzeihen  zu  wollen.

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