Rücktehr  des  Königs  zu  Napoleon.  167

berufen,  daß  durch  eine  Weigerung  Osterreich,  das  noch  nicht  hinlänglich
  gerüstet  war,  zur  Unzeit  compromittiert  worden  wäre,
daß  aber  der  König  durch  seine  Unterwerfung  nicht  bloß  Hoffnung
  gehabt  habe  sein  Land  zu  retten,  sondern  auch  dadurch
sterreich  die  nöthige  Zeit  zur  Entwicklung  seiner  Streitkräfte
und  die  Freiheit  seine  Partei  nach  Gefallen  zu  wählen  verschafft
habe  1).  Es  findet  sich  jedoch  nicht,  daß  im  Augenblicke  der
Entscheidung  diese  Erwägung  wirklich  angestellt  worden  und  von
Einfluß  auf  die  zu  fassenden  Beschlüsse  gewesen  sei,  man  besann
sich  erst  hinterdrein  auf  diese  Entschuldigung;  was  den  Geist
des  Königs  und  seiner  Umgebung  unterjochte,  war  lediglich  die
Furcht  und  der  Schrecken.  Ebenso  gewiß  aber  ist,  daß  die
Katastrophe  vermieden  worden  wäre,  wenn  das  österreichische
Cabinet,  statt  den  König  zum  Geheimniß  über  die  abgeschlossene
Convention  zu  verpflichten  und  ihn  dann  sich  selbst  zu  überlassen,
  schneller  und  kräftiger  gehandelt  hätte  um  seinen  Muth
und  seine  Zuversicht  aufrecht  zu  halten.

Das  Maß  der  Demüthigung  war  aber  mit  diesem  freiwilligen
  Verzicht  auf  die  bisherige  Politik  noch  lange  nicht
erschöpft.  Serra  war  am  9.  Mai  eben  damit  beschäftigt  den
gestürzten  Minister  über  Osterreichs  Pläne  und  Rüstungen  auszuforschen,
  als  er  durch  die  Ankunft  des  Barons  v.  Montesquiou,
  Berthiers  Adjutanten,  unterbrochen  wurde,  den  Napoleon,
ohne  Ahnung,  daß  alle  weiteren  Drohungen  bereits  überflüssig
geworden,  aus  Dresden  abgefertigt  hatte.  Serra  sollte  auf
der  Stelle  bestimmte  Erklärungen  fordern;  Metternich  habe
dem  Grafen  Narbonne  versichert,  daß  Osterreich  keinen  Tractat

1)  Im  Jahre  1814  bemerkte  Friedrich  August  eigenhändig  am  Rande
eines  Memoires:  „CQue  ce  qui  c’est  passé  à  Prague  était  la  suite  de
circonstances  extraordinaires  et  ne  peut  étre  mis  à  compte  du  caractere
  du  roi,  qui  dans  l’urgence  du  moment  était  obligé  de  prendre
un  parti  sans  pouvoir  consulter  I'Autriche.  II  s'agissait  ou  de  Fobliger
à  des  voies  de  fait  en  faveur  de  la  Saxe  en  manquant  en  méme  temps
au  secret  auquel  le  roi  s’était  engagé  on  de  quitter  les  engagements
avec  I/Autriche,  ce  qui  lui  laissait  tout  le  temps  de  prendre  un  parti
de  tous  ses  moyens.“