Sachsens  Kriegsleiden.  179

von  den  Kanzeln  den  Segen  des  Höchsten  auf  die  Waffen  des
Protectors  Sachsens  herabflehen  hören  )!  Wenn  Friedrich
August  gehofft  hatte  durch  die  Rückkehr  zu  Napoleon  seinen
Unterthanen  Kriegsleiden  zu  ersparen,  so  sah  er  sich  darin
bitter  getäuscht:  Sachsen  hätte  durch  eine  feindliche  franzzösische
Armee  nicht  ärger  heimgesucht  werden  können  als  es  durch  die
befreundete  geschah.

Was  Napoleons  persönliches  Benehmen  gegen  den  König
betraf,  so  legte  er  darin  eine  Rücksicht  und  Aufmerksamkeit  an
den  Tag,  wie  sie  für  gewöhnlich  seinem  Wesen  fremd  waren;
was  nur  dem  Könige  angenehm  und  tröstlich  und  in  Bezug
auf  das  Schicksal  seines  Landes  einigermaßen  beruhigend  sein
konnte,  das  beeiferte  er  sich  ihn  sogleich  wissen  zu  lassen.  Auch
fühlte  er  recht  wohl  die  Nothwendigkeit,  um  seines  eigenen
Vortheils  willen  das  Land  seines  Verbündeten  nicht  vollständig
zu  ruinieren.  „Ich  wünsche“,  schrieb  er  dem  Herzog  von
Padua,  „gegen  Sachsen  Schonung  zu  üben,  das  mir  gegenwärtig
  20000  Mann  Infanterie  und  4000  Mann  Kavalerie
liefert  und  thatsächlich  die  ganze  Last  des  Kriegs  trägt“;  er
verbot  seinen  Generalen  in  Sachsen  Tafelgelder  oder  Ähnliches
zu  fordern,  er  versprach,  daß  aller  Kriegsbedarf,  den  Sachsen
der  Armee  liefere,  nur  als  Vorschuß  betrachtet  und  von  Frankreich
  vergütet  werden  solle  2),  aber  wie  wenig  hatte  dies  doch
gegenüber  dem  allgemeinen  Nothstande  zu  bedeuten,  und  wie
enge  Grenzen  hatte  diese  Schonung!  Als  die  sächsischen  Minister
  sich  außer  Stand  erklärten  die  verlangten  Lieferungen
zu  beschaffen,  ließ  er  ihnen  sogleich  bemerklich  machen,  das
heiße  geradezu  die  Regierung  abdanken;  fände  keine  Vertheilung
von  Fourage  mehr  statt,  so  müsse  sie  in  den  Dörfern  militärisch
  requiriert  werden  oder  der  Soldat  müsse  sie  nehmen,
wo  er  sie  fände,  und  das  heiße  das  Land  der  Plünderung
preisgeben  3).  Selbst  die  im  Jahre  1812  von  dem  Kaiser  dem

1)  Poppe  II,  92.
2)  Corresp.  de  Nap.  XXV,  323.  333.  487.
3)  Ibid.  XXV,  475.
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