Zorn  der  Franzosen  gegen  Leipzig.  185

des  Kaisers  zu  erkennen  gegeben,  alle  Gewehre  mußten  bei
Todesstrafe  abgeliefert  werden,  und  am  24ften  kam  Befehl,  binnen
acht  Tagen  aus  den  vornehmsten  und  reichsten  Bürgern  von
20  bis  45  Jahren  eine  2000  Mann  starke  nur  mit  Seitengewehr
  bewaffnete  Bürgergarde  zu  errichten.  Zugleich  wurden
die  Maßregeln  gegen  den  leipziger  Handel  erneuert,  alle
Waaren,  deren  Ursprung  verdächtig  schien,  ingleichen  Reis,
Wein  und  Branntwein  in  Beschlag  genommen,  den  Tuchhändlern
aufgegeben,  kein  Mitteltuch  zu  verkaufen  sondern  es  für  die
Armeen  aufzubewahren.  Doch  wurde,  da  die  Revision  nur
ein  geringfügiges  Resultat  lieferte,  am  4.  Juli  der  Seguester
wieder  aufgehoben  und  dafür  die  Zahlung  der  Impostsumme
für  die  Colonialwaaren  auferlegt,  welche  präsumtiv  während
der  russischen  Occupation  eingebracht  worden  waren.  Eine
von  dem  Magistrat  und  dem  Handelsstand  nach  Dresden  entsandte
  Deputation  erwirkte  vom  Kaiser  das  Versprechen  der
Aufhebung  des  Belagerungszustandes  und  die  Herabsetzung  der
Bürgergarde  auf  1200  Mann  1).  Jene  erfolgte  am  16.  Juli,
nachdem  Napoleon  am  14ten  auf  der  Durchreise  von  Magdeburg
  selbst  in  Leipzig  verweilt  und  den  Behörden  eine  derbe
Strafpredigt  gehalten  hatte.  Da  er  sich  sehr  aufgebracht  zeigte,
weil  etliche  Studenten  als  Freiwillige  unter  die  preußische  Fahne
gegangen  waren,  so  wurde  der  Universität  ihre  Jurisdiction
genommen  und  somit  die  altväterische  Collision  der  drei  zwischen
den  Kreishauptmann,  die  Universität  und  den  Magistrat  getheilten
  Gerichtsbarkeiten  durch  Errichtung  eines  königlichen
Criminalgerichtshofes  und  einer  Polizeicommission  unter  Präsidium
  des  Barons  v.  Werthern  beseitigt.

Mittlerweile  war  Napoleon  rastlos  thätig  gewesen,  sich  für
den  Fall  eines  Wiederausbruchs  des  Kriegs  an  der  Elbe  eine
furchtbare  Vertheidigungslinie  zu  schaffen.  Hauptstützpunkt  derselben
  sollte  Dresden  sein,  dessen  Befestigung  er  schon  bei

1)  Sie  wurde  nach  und  nach  auf  600  vermindert;  zu  ihrem  Commandanten
  ernannte  der  König  den  Major  v.  Lenz.  —  Groß,  S.  74  ff.
Poppe  II,  103  ff.