Oudinots  Zug  gegen  Berlin.  191

Offensive  gegen  Prag  erfüllt,  ließ  er  Poniatowski  von  Zittau
über  Gabel,  Lefebre-Desnouettes  von  Löbau  über  Rumburg
in  Böhmen  eindringen,  während  Ney  das  schlesische  Heer  in
Schach  halten  sollte  1).  Aber  Blüchers  rasches  Vordringen
gegen  den  Bober  nöthigte  ihn  diese  Bewegung  zu  unterbrechen
und  sich  zunächst  gegen  diesen  Feind  zu  wenden,  allein  kaum
erkannte  Blücher  die  persönliche  Anwesenheit  des  Kaisers  mit
überlegenen  Massen,  als  er  getreu  dem  trachenberger  Kriegsplan
  den  Rückzug  antrat.

War  dieser  Stoß  mißlungen,  so  setzte  Napoleon  um  so
größere  Hoffnungen  auf  den,  welchen  Marschall  Oudinot  mit
dem  12.  Corps  unter  seinem  eigenen  Befehle,  dem  4ten  unter
Bertrand,  dem  7ten  unter  Reynier  und  dem  Reitercorps  des
Herzogs  von  Padua  gegen  Berlin  und  die  zum  Schutz  der
Hauptstadt  aufgestellte  Nordarmee  unter  dem  Kronprinzen  von
Schweden  zu  führen  bestimmt  war.  Als  das  sächsische  Corps
um  an  diesem  Zuge  Theil  zu  nehmen  am  13ten  von  Görlitz
aufbrach,  zählte  es  wenig  über  15000  Mann,  von  denen  später
noch  600  Mann,  das  Bataillon  Prinz  Maximilian,  zur  Besatzung
  von  Luckau  zurückblieben;  es  fehlten  also  am  Solletat
über  3000  Mann,  von  denen  die  Mehrzahl  in  den  Lazarethen
lag;  Reiterei  besaß  es  nur  1200  Mann.  Nachdem  sich  das
7.  Corps  am  18ten  bei  Schenkendorf  und  Damsdorf,  halbwegs
zwischen  Dahme  und  Baruth,  concentriert  hatte,  gieng  es  am
folgenden  Tage  bis  Schönfeld;  das  12.  Corps  bildete  bei
Baruth  den  rechten,  das  4te  bei  Luckenwalde  den  linken  Flügel.
Am  21  sten  griff  Oudinot  mit  dem  12.  Corps  Trebbin  an,
das  die  Preußen,  als  Reyniers  Vordringen  über  Christiansdorf
gegen  Nunsdorf  sie  mit  Umgehung  bedrohte,  nach  vierstündigem
Kampfe  räumten.  Hier  begann  nun  für  Oudinot  der  schwierigste
  Theil  seiner  Aufgabe;  ehe  er  die  freie  bis  Berlin  reichende
Ebene  betreten  konnte,  mußte  er  die  Defileen  durch  die  sumpfige,
auch  noch  künstlich  unter  Wasser  gesetzte  Niederung  der  Nuthe
und  Notte  und  durch  die  hinter  derselben  sich  ausbreitenden

1)  Anhang  Nr.  20.