Schlacht  bei  Großbeeren.  193

gleich  setzte  Reynier  den  Marschall  Oudinot,  der  bei  Thyrow
und  Großbeuthen  lagerte,  von  diesem  Vorhaben  in  Kenntniß
und  erhielt  nicht  nur  dessen  Billigung,  sondern  auch  das  Versprechen,
  es  durch  das  Vorrücken  des  7.  Corps  und  der  Reiterei
Arrighi's  gegen  Ahrensdorf  zu  unterstützen.  Sobald  er  daher
von  Blankenfelde  her  Bertrands  Kanonendonner  vernahm,
setzte  er  sich  vormittags  10  Uhr  auf  der  durch  den  Wald  nach
Großbeeren  führenden  Straße  in  Marsch,  voran  die  2.  sächsische
Division  v.  Sahr,  dann  die  Division  Durutte,  die  1.  sächsische
Division  Lecoq  als  Nachhut,  die  sächsische  Reiterbrigade  zur
Seite.  Doch  kam  der  Zug  bei  der  Erschöpfung  der  Truppen
und  dem  strömenden  Regen  nur  sehr  langsam  vorwärts,  so
daß  die  Vorhut  den  eine  Meile  entfernten  Waldrand  erst
nachmittags  3  Uhr  erreichte.  Beim  Heraustreten  aus  demselben
  wurde  sie  von  einer  auf  der  Windmühlenhöhe  bei  Großbeeren
  aufgestellten  preußischen  Batterie  mit  heftigem  Feuer
empfangen;  General  v.  Sahr  brachte  dieses  durch  zwei  vorgezogene
  Batterien  bald  zum  Schweigen,  ließ  dann  das  Dorf
in  Brand  schießen  und  es  durch  das  Bataillon  v.  Sperl  mit
Sturm  wegnehmen,  worauf  die  Preußen  sich  gegen  Ruhlsdorf
zurückzogen.

Ueberzeugt,  daß  für  diesen  Tag  alles  vorbei  sei,  nahm
Reynier  sein  Hauptquartier  in  dem  nur  durch  eine  halbe
Compagnie  Sperlsche  Grenadiere  besetzten  Dorfe  und  richtete
sich  in  völliger  Sorglosigkeit  mit  seinen  durchnäßten  Truppen
so  behaglich  wie  möglich  ein.  Er  ahnte  nicht,  daß  Oudinot
statt  versprochenermaßen  auf  gleicher  Höhe  mit  ihm  vorzurücken
bei  Ahrensdorf  Halt  gemacht,  daß  Bertrand  sich  bei  Jühnsdorf
durch  Tauenzien  hatte  festhalten  lassen,  daß  also  das  7.  Corps
ganz  allein  der  gesammten,  40000  Mann  starken  Macht
Bülows  gegenüber  stand,  daß  endlich  dieser,  dem  Befehle  des  Kronprinzen
  zum  Rückzuge  den  Gehorsam  versagend,  schon  bereit
stand,  sich  auf  ihn  zu  stürzen.  Selbst  als  das  ganze  preußische
  Heer  anrückte,  hielt  er  dies  anfangs  nur  für  eine  Scheinbewegung
  um  den  Abmarsch  der  Nordarmee  zu  decken  und
ließ  die  Meldungen  von  dem  Erscheinen  feindlicher  Massen  in

Flathe,  Neuere  Geschichte  Sachsens.  13