Schlacht  bei  Großbeeren.  195

ihre  Reihen  einschlugen,  wandte  sie  sich  zur  Flucht  nach  dem
Walde,  so  daß  General  Devaux,  außer  sich  über  dieses  Benehmen,
  von  dem  Oberst  v.  Thümmel  verlangte,  er  solle  sich
mit  seinen  Ulanen  auf  die  Weichenden  werfen  und  sie  mit
Gewalt  wieder  vorwärts  treiben  1).  Nunmehr  gab  Reynier
seine  Sache  verloren.  Er  ertheilte  Lecoq  den  Befehl,  die  vorher
  angeordnete  Flankenbewegung  gegen  die  Windmühlenhöhe
zu  unterbrechen  und  so  schnell  wie  möglich  mit  seiner  Division
den  Weg  nach  dem  Vorwerk  Neubeeren  zu  gewinnen  um  auf
diese  Weise  den  Rückzug  der  zweiten  Division  zu  decken.  Dies
gelang,  Lecoq  hielt  den  Feind  in  gewisser  Entfernung  und  trat
seinerseits,  von  der  eintretenden  Dunkelheit  begünstigt,  den
Rückzug  nicht  eher  an,  als  bis  sein  sämmtliches  Geschütz  in
Sicherheit  war.  Am  Waldesrande  hörte  die  Verfolgung  auf.
Der  Gesammtverlust  der  Sachsen  betrug  28  Offiziere  und
2096  Mann,  7  Kanonen  und  53  Wagen,  davon  kamen  auf
die  2.  Division  allein  12  verwundete  und  9  gefangene  Offiziere,
  116  Todte,  238  Verwundete  und  1564  Gefangene.  An
Stelle  des  Generals  v.  Sahr  übernahm  einstweilen  Oberst
v.  Bose  das  Commando  der  2.  Division;  das  Regiment
v.  Low,  das  am  meisten  gelitten  hatte,  wurde  in  ein  Bataillon
zusammengezogen.  Das  in  Luckau  gebliebene  Bataillon  Maximilian
wurde  am  28sten  mit  der  übrigen  Besatzung  gefangen  genommen.
Es  war  ein  böses  Verhängniß,  welches  die  Sachsen  verfolgte;
wie  beim  Beginn  des  Feldzugs  im  Frühjahr  zu  Lüneburg,  so
waren  sie  auch  jetzt,  nach  dem  Wiederausbruche  der  Feindselig-1)

  Als  Beleg  von  Thiers'  Wahrheitsliebe  stehe  hier  dessen  Darstellung
des  Herganges  (XVI,  388):  „La  division  Durutte  résista  héroiquement,
mais  les  Saxons,  pour  la  plupart  conscrits  de  T’année,  joignant  à  la
faiblesse  de  leur  age  un  très-mauvais  esprit,  travaillés  par  des  offiiers,
  qui  leur  rappelaient,  que  Bernadotte  les  avait  commandés  en
1809  et  traités  comme  un  pere,  ne  resistaient  pas  longtemps  et
laisserent  sans  appui  la  division  Durutte.  Celle-i  fut  obligé  de  se
retirer  mais  elle  le  fit  en  bon  ordre.“

2)  Feldzüge  der  Sachsen,  S.  213f  f.  —  Varnhagen,  Leben  des
Generals  v.  Bülow  (1853),  S.  200f  ff.

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