198  Sachsen  während  des  Befreiungskriegs  von  1813.

unvorbereitet  für  diese  aus  dem  Stegreife  begonnene  Unternehmung,
  unsicher  und  ohne  rechtes  Vertrauen  zu  ihren  eigenen
Maßnahmen,  statt  in  möglichster  Schnelligkeit  und  Stärke
auf  Dresden  zu  fallen,  am  25sten  mit  dem  Aufbruch  von
Dippoldiswalde  dergestalt  zögerte,  daß  erst  nachmittags  4  Uhr
etwa  60000  Mann  auf  den  Höhen  von  Dresden  eintrafen.
Aller  Wahrscheinlichkeit  nach  hätte  an  diesem  Tage  ein  energischer
  Angriff  Dresden  in  die  Hand  der  Verbündeten  geliefert.
In  der  Stadt  machte  sich  alles  auf  einen  Sturm  gefaßt;  der
König,  der  Hof,  die  auswärtigen  Diplomaten  und  wer  sonst
es  konnte,  suchten  ein  Unterkommen  in  der  Neustadt.  Mit
bangem  Entsetzen  sahen  die  Einwohner  und  die  zahlreichen
Flüchtlinge  aus  der  Umgegend  den  umgebenden  Hügelkranz  sich
mit  den  dunkeln  Massen  der  Angreifer  bedecken;  dem  Schrecken
des  Augenblicks  gehorchend  fürchteten  sie  die  Befreier,  sehnten
sie  Napoleon  als  Retter  herbei.  Aber  jenen  verstrich  unter
fruchtlosem  Hin=  und  Herreden  der  günstige  Augenblick,  zuletzt
wurde,  damit  doch  etwas  geschehe,  ein  Versuch  beschlossen,  jedoch
auf  den  nächsten  Tag  verschoben.

Allein,  ehe  es  zu  dessen  Ausführung  kam,  hatten  sich  die
Umstände  vollständig  geändert.  Auf  die  erste  Nachricht  nämlich
von  dem  Vormarsch  der  Verbündeten  gegen  Dresden  ließ
Napoleon  von  dem  zurückweichenden  Blücher  ab,  um  sich  gegen
jene  zu  wenden;  sein  erster  Gedanke  war  über  die  Brücken
am  Königstein  zu  gehen,  zu  deren  Beobachtung  nur  13000  Mann
unter  dem  Herzog  Eugen  von  Würtemberg  zurückgeblieben  waren,
und  ihnen  in  den  Rücken  fallen.  Die  Nachricht  von  Oudinots
Niederlage,  die  er  den  25fsten  mittags  in  Stolpen  erhielt,
brachte  jedoch  die  erste  Störung  in  den  kühnen  Plan,  sodann
meldete  St.  Cyr,  daß  er  Dresden  gegen  die  ungeheure  Überzahl
  der  Verbündeten  keine  vierundzwanzig  Stunden  werde  behaupten
  können;  er  entschloß  sich  deshalb,  selbst  mit  der  Hauptmacht
  zur  Rettung  von  Dresden  zu  eilen,  die  Umgehung  über
Königstein  nur  in  verkleinertem  Maßstabe  durch  Vandamme
ausführen  zu  lassen.  Vormittags  neun  Uhr  erschien  er  pläötzlich
in  der  Stadt,  während  Wittgenstein  sich  bereits  vom  Großen