Schlacht  bei  Dresden.  199

Garten  her  der  pirnaischen  Vorstadt  näherte;  seine  Gegenwart
belebte  wie  durch  Zauberschlag  den  gesunkenen  Muth,  an  der
Brücke  haltend  wies  er  persönlich  den  auf  der  bautzener  Straße
hereinströmenden  Truppen  Richtung  und  Stellung  an,  während
seine  Gegner,  welche  die  ganze  Altstadt  in  einem  mächtigen
Halbkreis  von  Blasewitz  bis  Briesnitz  umspannten,  zaghaft
Stunde  auf  Stunde  verstreichen  ließen  ohne  etwas  Ernstliches
zu  unternehmen.  Nur  die  Festigkeit  des  Königs  von  Preußen
bewirkte,  daß  man  schließlich  bei  dem  früheren  Beschluß  anzugreifen
  stehen  blieb.  Aber  die  mangelhafte  Disposition  zum
Angriff,  der  statt  gegen  die  ganz  unverschanzte  Friedrichsstadt
mit  den  Hauptkräften  gegen  die  wohl  verwahrte  pirnaische,  Seeund
  wilsdruffer  Vorstadt  gerichtet  wurde,  die  aller  Übersicht
und  alles  Zusammenhanges  entbehrende  Oberleitung  opferten
nutzlos  den  Heldenmuth  der  stürmenden  Truppen.  Die  Preußen
unter  Kleist  bemächtigten  sich  des  Großen  Gartens  und  versuchten
  in  die  pirnaische  Vorstadt  einzudringen,  die  Osterreicher
  erstürmten  die  Lunette  vor  der  Seevorstadt,  ein  Regen
von  Kugeln  und  Granaten  entlud  sich  über  der  geängstigten
Stadt.

In  diesem  kritischen  Momente  erfolgte  der  Umschlag.  Nachdem
  Napoleon  persönlich  die  feindlichen  Stellungen  recognosciert
hatte,  glaubte  er  nunmehr  über  hinlängliche  Streitkräfte  zu
gebieten  um  von  der  Abwehr  zum  Angriff  überzugehen.  Die
bewunderungswürdige  Ruhe  und  Sicherheit,  mit  der  er  vom
Schloßplatz  aus  den  Kampf  leitete,  wirkte  electrisch  auf  die
von  dem  Gewaltmarsch  ermüdeten  Truppen.  Auf  dem  Kreuzthurm
  war  der  sächsische  Oberst  v.  Haak  als  Beobachter
aufgestellt  und  signalisierte  jeden  anrückenden  Truppentheil  der
Verbündeten  schon  aus  der  Ferne.  Es  war  sechs  Uhr  Abends.
Mächtige  Truppen  und  Geschützmassen  quollen  aus  den  Schlägen
hervor,  entrissen  nach  heißem  Kampfe  den  Preußen  den  vordern
  Theil  des  Großen  Gartens,  Wittgenstein  das  Dorf
Strießen  und  den  Windmühlenberg,  eroberten  die  verlorene
Lunette  wieder,  retteten  die  kaum  noch  behauptete  vor  dem
Falkenschlage  und  drängten  die  Osterreicher  auf  die  räcknitzer