200  Sachsen  während  des  Befreiungskriegs  von  1813.

Höhen  zurück,  worauf  sie  auch  das  Dorf  Löbtau  vor  der
Friedrichsstadt  in  der  Nacht  freiwillig  verließen.  Die  sächsische
Kürassierbrigade,  die  nach  einem  überaus  anstrengenden  Marsche
mittags  in  Dresden  angelangt  war,  betheiligte  sich  an  dem
Kampfe  durch  einen  Angriff,  den  sie  vom  Ostragehege  aus  in
der  Richtung  auf  Cotta  machte.  Mit  eintretender  Dunkelheit
war  der  Angriff  der  Verbündeten  überall  abgeschlagen,  ihr  rechter
Flügel  bereits  ein  ziemliches  Stück  von  der  teplitzer  Straße
gegen  das  Gebirge  hin  abgedrängt.  Ununterbrochen  wälzten
sich  während  der  Nacht  neue  Truppenzüge  in  die  Stadt,  in
welcher  die  Fenster  des  Erdgeschosses  und  ersten  Stockes  erleuchtet
  bleiben  mußten.

Während  somit  die  „Demonstration“  der  Verbündeten
gegen  Dresden  vollständig  mißglückt  war,  drohete  ihrem  Rücken
vom  Königstein  her,  wo  Vandamme  unter  dem  Schutze  der
Festung  die  Elbe  überschritten  und  den  Herzog  Eugen  von
Würtemberg  mit  dreifach  überlegener  Macht  angegriffen  hatte,
ein  noch  viel  schwereres  Ungewitter.  Der  Prinz,  die  ganze
Wichtigkeit  seiner  Stellung  begreifend,  wehrte,  zwischen  Kritschwitz
und  Struppen  Fuß  fassend,  den  Andrang  der  Feinde  heldenmüthig
  ab.  Allein  bei  der  offenbaren  Unmöglichkeit  sich  hier
länger  zu  behaupten  zog  sich  Ostermann,  der  mittlerweile  den
Oberbefehl  übernommen  hatte,  in  der  Nacht  hinter  den  tiefen
Grund  der  Gottleuba  nach  Zehista  zurück  um  dem  Hauptheere
die  große  Straße  nach  Böhmen  offen  zu  halten;  auf  seine
dringende  Bitte  um  Unterstützung  sandte  ihm  Barclay  die
russischen  Garden.  Diese  schlimmen  Nachrichten  wirkten  auf  das
Hauptquartier  entscheidend.  Die  Lage  der  Truppen,  die  ohne
Obdach  und  Lebensmittel  von  dem  in  der  Nacht  eintretenden
kalten  Landregen  durchnäßt  wurden,  war  überaus  traurig.  Auf
das  Andrängen  des  Königs  von  Preußen  beschloß  man  zwar
zuletzt,  auf  den  Höhen  vor  Dresden  stehen  zu  bleiben  und
Napoleons  weitere  Unternehmungen  abzuwarten,  aber  Schwarzenberg
  betrachtete  die  nun  folgende  Schlacht  nur  noch  als  ein
großes  Arricregardengefecht  zur  Deckung  des  durch  Vandamme's
Vordringen  unvermeidlich  gewordenen  Rückzugs.