Schlacht  bei  Dresden.  201

Die  Aufstellung  der  Verbündeten  folgte  dem  Höhenkamm
von  Torna,  Leubnitz  und  Räcknitz;  der  linke  Flügel  der  Österreicher
  stand  in  Voraussicht  von  Klenau's  baldigem  Eintreffen
durch  die  tiefe  Kluft  des  plauenschen  Grundes  von  dem  übrigen
Heere  getrennt,  und  auf  diesen  Umstand  gründete  Napoleon
vorzugsweise  seinen  Entwurf  zum  Angriff.  Nachdem  er  schon
früh  6  Uhr  von  der  Lunette  am  Falkenschlage  aus  die  feindliche
  Stellung,  soweit  es  der  strömende  Regen  gestattete,  erkundet
  hatte,  ließ  er  dem  Könige  von  Sachsen  durch  General
Gersdorff  melden,  der  Feind  sei  so  gut  wie  geschlagen.  Er
beabsichtigte  denselben  links  von  der  Elbe  und  der  teplitzer
Straße  ab=  und  gegen  das  Gebirge  hinzudrängen,  von  rechts
ihn  in  den  plauenschen  Grund  zu  werfen.  Jenes  gelang  nur
theilweise,  da  zwar  das  Dorf  Reick  erobert,  Leubnitz  aber  trotz
dreimaligem  Sturm  von  Wittgenstein  behauptet  wurde;  desto
vollständiger  war  der  Erfolg  auf  dem  rechten  Flügel,  wo
Murat  durch  den  zschoner  Grund  die  ÖOsterreicher  umgieng,
die  französische  und  sächsische  Reiterei  ihre  Vierecke  bei  Roßthal.
und  Altfranken  zersprengte,  die  ganze  Division  Mezko  die  Waffen
strecken  mußte  und  somit  auch  die  Straße  nach  Freiberg  verloren
  gieng.  Dieser  Unfall  und  Moreau's  tödtliche  Verwundung
auf  der  räcknitzer  Höhe  vollendeten  die  Entmuthigung,  der
Rückzug  wurde  angetreten;  eine  Menge  Material  blieb  im
Koth  stecken  1).  Unter  unsäglichen  Schwierigkeiten  erreichten
die  Russen  und  Preußen  die  Straße  nach  dem  Engpaß  am
Geiersberg,  die  Österreicher  Altenberg,  um  den  steilen  Südabfall
  des  Erzgebirges  in  das  teplitzer  Thal  hinabzusteigen.
Von  Regen  triefend  ritt  Napoleon  gegen  Abend  in  die
Stadt  zurück,  von  der  Bevölkerung  wie  vom  Könige  mit  lebhafter
  Freude  als  Befreier  empfangen.  20000  Gefangene
füllten  die  Kirchen  und  den  Zwinger,  auf  dem  Schloßhofe
standen  30  eroberte  Geschütze.  Allein  trotz  dieses  glänzenden
Erfolges  wollte  in  die  Seele  des  Kaisers  selbst  keine  rechte

1)  Aster,  Kriegsereignisse  bei  Dresden,  S.  128  ff.  —  v.  Bernhardi,
Denkwürdigkeiten  Tolls  III,  162.  —  Odeleben,  S.  266.