Schlacht  bei  Dennewitz.  205

Ansturm  der  Preußen  herausgeworfen.  Gleichzeitig  wich  Bertrands
Corps,  mit  Macht  angegriffen,  ehe  es  Oudinot  erreichen  konnte,
in  Unordnung  zurück.  Den  Sachsen,  deren  beide  Flügel  dadurch
  dem  Feinde  bloßgestellt  waren,  blieb  nun  keine  Wahl
als  der  Rückzug,  den  die  Division  Lecoq  nebst  den  Baiern,  in
fester  Haltung  unter  dem  feindlichen  Geschützfeuer  marschierend,
begünstigt  durch  den  Staub  und  Pulverdampf,  deckte.  Den
Versuch,  bei  Ohna  nochmals  Stand  zu  halten  um  dem  fliehenden
  Heere  einen  Vorsprung  zu  verschaffen,  büßten  sie,  von
feindlicher  Reiterei  überrascht,  mit  einem  Verlust  von  1200  Gefangenen
  und  drei  Kanonen.  Reynier  eilte  auf  den  kürzesten
Wegen,  über  Herzberg  und  Annaburg,  Torgau  zu  erreichen,
wohin  auch  die  übrigen  geschlagenen  Corps  sich  wendeten.  Unfähig,
  sich  der  fortgesetzten  Angriffe  der  Preußen  zu  erwehren,
zog  sich  Neh  am  8.  September  über  die  Elbe  und  dann  sogar
  hinter  die  Mulde  zurück.  Bülow,  durch  Hirschfeld  verstärkt,
  schickte  sich  zur  Belagerung  von  Wittenberg  an,  von
dessen  Fall  der  Kronprinz  von  Schweden  seine  weiteren  Bewegungen
  abhängig  machen  wollte;  am  25sten  wurden  die
Laufgräben  eröffnet  und  begann,  jedoch  vorläufig  ohne  Erfolg,
die  Beschießung  1).

Der  Verlust  der  Sachsen  in  den  Tagen  vom  30.  August
bis  7.  September  bezifferte  sich  auf  28  Offiziere  und  3313.
Mann  an  Todten  und  Verwundeten,  12  Geschütze  und
40  Munitionswagen.  Die  Regimenter  waren  so  geschwächt,
daß  sie,  als  das  Corps  bei  Süptitz  und  Zinna  lagerte,  in
Bataillone  zusammengezogen  werden  mußten.  Dasselbe  zählte
hiernach  in  12  Bataillonen  Infanterie,  1  Jägercompagnie,  den
Sappeurs,  13  Escadrons  und  5  Batterien  nicht  mehr  volle
9000  Mann;  das  Corpscommando  behielt  zugleich  mit  dem  der
1.  Division  Lecoq,  die  2.  Division  übernahm  Generalleutnant

1)  Feldzüge  der  Sachsen,  S.  241  ff.  —  Varnhagen,  Leben  Bülows,
S.  222  ff.  —  Die  Darstellung  bei  Norvins  I,  339  und  bei  Thiers
XVI,  431,  welche  den  Sachsen  die  Schuld  der  Niederlage  beimißt,  ist
durchaus  unrichtig.