206  Sachsen  während  des  Befreiungskriegs  von  1813.

v.  Zeschau,  die  Reiterbrigade  statt  des  erkrankten  v.  Gablenz
Oberst  v.  Lindenau.  Doch  änderte  Napoleon  bald  darauf,  als
die  Sachsen  bei  Dommitzsch  standen,  auch  diese  Formierung
dahin,  daß  beide  Divisionen  in  eine,  bestehend  aus  den  Brigaden
v.  Brause  und  v.  Ryssel  unter  Zeschau's  Oberbefehl,  verschmolzen
wurden;  General  v.  Mellentin  wurde  zum  Depot  nach  Torgau
versetzt.

Erklärlicherweise  erregte  die  Hartnäckigkeit,  mit  der  die
Sachsen  gegen  die  deutsche  Sache  fochten,  bei  ihren  Gegnern
sehr  bittre  Empfindungen.  Bülow  hielt  am  Morgen  nach
der  Schlacht  bei  Dennewitz  den  gefangenen  sächsischen  Offizieren
eine  bittere  Strafrede  und  forderte  sie  auf  Thielmanns  Beispiele
  zu  folgen.  Es  hatte  das  ebensowenig  Erfolg,  wie  ein
vom  Schlachtfelde  selbst  an  die  Sachsen  erlassener  Aufruf  1)
und  ein  ähnlicher  des  Kronprinzen  von  Schweden  vom  10.  September
  aus  Jüterbock,  wie  ein  Schreiben  Bülows  an  Zeschau
vom  29sten,  worin  er  ihn  im  Namen  des  deutschen  Vaterlandes
beschwor,  sich  dem  Befreiungskampfe  anzuschließen  und  seinen
gefesselten  König  aus  der  schmachvollen  Unterwürfigkeit  unter
die  verhaßten  Fremdlinge  zu  erlösen,  indem  er  ihm  im  Namen
des  Königs  von  Preußen  das  ungetheilte  Zusammenbleiben  des
sächsischen  Corps  und  die  Bestätigung  eines  Jeden  in  seinem
Range  zusicherte.  Nur  der  Major  v.  Bünau  gieng  in  der
Nacht  zum  23.  September  mit  einem  Bataillon  König  bei
Oranienbaum  zum  Feinde  über,  was  zur  Folge  hatte,  daß  eine
Recognoscierung  von  50  Reitern  bei  Goldewitz  den  Kosaken  in
die  Hände  fiel.  Reynier  fand  sich  dadurch  veranlaßt,  die  sächsischen
  Truppen  von  den  Vorposten  zu  entfernen  und  diese
durch  Franzosen  zu  besetzen,  der  König  aber  legte  die  verunehrte
  Uniform  seines  Regiments,  die  er  seit  vielen  Jahren  getragen,
  ab  und  richtete,  26.  September,  eine  Proclamation  an
die  Truppen,  welche  in  schmerzlich  bewegtem  Tone  zum  Festhalten
  an  der  ihm  geschworenen  Treue  ermahnte,  eine  zweite

1)  Varnhagen,  Leben  Bülows,  S.  260.