208  Sachsen  während  des  Befreiungskriegs  von  1813.

dagegen  wagten.  Zwar  ergieng,  31.  August,  an  die  commandierenden
  Generale  ein  strenges  Verbot  gegen  alle  gewaltsamen
Erpressungen,  auch  Souham  erließ  an  seine  Truppen  eine
Mahnung  zur  Schonung  des  befreundeten  Landes  1);  was  aber
konnte  dies  fruchten,  so  lange  dieselben  darauf  angewiesen
blieben  nur  von  dem  zu  leben,  was  sie  eben  fanden!  Die
Desertion  nahm  überhand;  nach  der  Schlacht  bei  Großbeeren
zogen  die  Ausreißer  truppweise  durch  Leipzig  dem  Rheine  zu,
seit  den  Niederlagen  an  der  Katzbach  und  bei  Dennewitz  in
solcher  Menge,  daß  oft  etliche  tausend  an  einem  Tage  die
Stadt  passierten  oder  um  dort  nicht  angehalten  zu  werden  sich
bei  derselben  vorbeischlichen.  Die  Hauptsache  jedoch  war,  daß
auch  die  militärische  Lage  Napoleons  sich  durch  die  letzten
Niederlagen  ungemein  verschlimmert  hatte.  Gegen  Norden
zwar  schien  das  von  Ney  bei  Goldewitz,  Oranienbaum  und
Wörlitz  aufgestellt  7.  Corps  vorläufig  ausreichend,  um
das  weitere  Vordringen  des  nur  langsam  sich  vorwärts  bewegenden
  Kronprinzen  von  Schweden  aufzuhalten;  desto  lebendiger
aber  war  es  auf  den  übrigen  Schauplätzen  geworden.

Blücher  hatte  kaum  Napoleons  Abreise  erfahren,  als  er
auf  der  Stelle  wieder  vordrang.  Am  gten  hatte  St.  Priest
bei  Löbau  ein  hitziges  Gefecht  gegen  Poniatowski  zu  bestehen,
durch  welches  Macdonald  seinen  Rückzug  nach  Bautzen  verdeckte;
  am  10ten  befand  sich  Blüchers  Hauptquartier  zu  Herrnhut,
  seine  leichten  Truppen  streiften  nach  der  Elbe  hin,  wobei
ihnen  in  der  Nähe  von  Ortrand  ein  Theil  der  sächsischen  Kürassiere
  samt  dem  Commandanten  des  Regiments  Zastrow  in  die
Hände  fiel,  andere  besetzten  schon  Bischofswerda,  Stolpen  und
Neusalza.  Südlich  von  Dresden  entspann  sich  am  Sten  zwischen
Barclay  und  St.  Cyr  um  die  Übergänge  über  die  Mülitz  bei
Heidenau  und  Dohna  ein  hartnäckiges  Gefecht,  wobei  letzteres
Städtchen  theilweise  in  Flammen  aufgieng;  sobald  jedoch  die
Verbündeten  Napoleons  Ankunft  gewahr  wurden,  wichen  sie
auf  den  Kohlberg  zurück.  In  Dohna  kam  Napoleon  nochmals  auf

1)  Aster,  Die  Gefechte  und  Schlachten  bei  Leipzig  (1852)  I,  53.