Napoleons  und  des  Königs  Abzug  von  Dresden.  211

Wilsdruff  ein  und  kam  bis  Seerhausen,  wo  er  übernachtete.
Ebenso  still  reiste  eine  Stunde  später  der  König  von  Sachsen
nebst  Gemahlin  und  Tochter  ihm  nach,  während  die  übrigen
Glieder  der  königlichen  Familie  in  Dresden  zurückblieben.  Der
einem  Befehle  gleichzuachtende  Wunsch  des  Kaisers,  daß  der
König  ihm  folgen  möge,  war  so  unerwartet  gekommen,  daß
kaum  Zeit  zu  den  nöthigsten  der  sonst  so  umständlichen  Reisevorbereitungen
  blieb.  Gersdorff  hatte  dem  Könige  gerathen,
lieber  den  Ausgang  auf  dem  Königstein  abzuwarten,  der  nach
dem  Abmarsch  des  französischen  Bataillons  nur  noch  sächsische
Besatzung  hatte,  auch  die  Königin  war  gegen  die  Reise,  aber
der  König  gehorchte,  sei  es,  daß  er  willenlos  dem  Verhängniß
folgte,  das  ihn  an  Napoleon  kettete,  oder  daß  er  durch  seine
Anwesenheit  bei  diesem  seinem  armen,  unglücklichen  Lande  nützen
zu  können  hoffte.  Eine  Commission  zur  Verfügung  in  schleunigen
  Fällen  wurde  in  Dresden  zurückgelassen  1).  In  Begleitung
  des  Königs  befanden  sich  außer  Einsiedel  und  Gersdorff
Generalmajor  v.  Bose,  Oberst  von  Heineken,  und  zwei  Polen,
Generalmajor  v.  Turnow  und  Olberst  v.  Blezinski;  die  Bedeckung
  bestand  aus  der  Leibgrenadierbrigade,  einer  Abtheilung
sächsischer  Reiter  und  polnischer  Lanciergarde.  Ferner  schlossen
sich  nicht  uur  der  Herzog  von  Bassano  und  das  ganze  diplomatische
  Corps  an  sondern  auch  ein  großer,  von  alter  Garde
unter  General  Curial  escortierter  französischer  Train,  so  daß
der  schwerfällige  Zug  erst  abends  5  Uhr  Meißen  erreichte.  Die
Weiterreise  wurde  in  von  Napoleon  vorgeschriebenen  Etappen,
den  Sten  bis  Oschatz,  den  9ten  bis  Wurzen  fortgesetzt  ?).  Von
da  mußte  der  König  am  folgenden  Abend,  bewacht  von  30  französischen
  und  30  sächsischen  Grenadieren,  wieder  aufbrechen,  um
der  zweiten  Gardedivision  nach  Eilenburg  zu  folgen,  wo  er
nach  einem  durch  häufige  Halte  unterbrochenen  Nachtmarsch

1)  Sie  bestand  aus  den  Conferenzministern  v.  Globig,  v.  Zeschau,
Graf  Hohenthal  und  v.  Nostitz  und  Jänkendorf  mit  Zuziehung  der  Geheimenräthe
  v.  Manteuffel,  v.  Ferber  und  v.  Schönberg.

2)  Anhang  Nr.  22.  23.  24.

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