214  Sachsen  während  des  Befreiungskriegs  von  1813.

Der  Kanonendonner  dieses  Gefechts  beschleunigte  Napoleons
Schritte  nach  Leipzig,  wo  er  nunmehr  die  gesuchte  Schlacht  zu
finden  gewiß  war.  Ohne  die  innere  Stadt  zu  berühren  ritt
er  sogleich  zum  äußern  Grimmaischen  Thor  hinaus  und  nahm
seinen  Standpunkt  dem  Hochgericht  gegenüber.  Kurz  nach  ihm
erschien  auf  der  tauchaer  Straße  unter  Bedeckung  von  zwei
Divisionen  alter  Garde  der  lange  Wagenzug,  der  den  König
von  Sachsen  nebst  Familie  von  Eilenburg  brachte.  Hier  in
Leipzig  selbst  hatte  der  König  gewünscht  den  Ausgang  der
Schlacht  zu  erwarten,  die  für  ihn  und  sein  Land  entscheidend
werden  mußte.  Nach  gegenseitiger  Begrüßung  ritt  der  König
in  die  vom  Kriegslärm  erfüllte  Stadt  und  nahm  seine  Wohnung
  im  Thomä'schen  Hause  am  Markte.  Schon  begann  der
Krieg  rings  um  die  Stadt  seine  zerstörende  Gewalt  zu  üben;
die  Ausgänge  derselben  wurden  mit  Vertheidigungswerken  versehen,
  in  die  Umfriedigungen  der  Gärten  Schießlucken  gebrochen.
Traurig  sah  es  in  den  umliegenden  Ortschaften  aus,  die  von
den  an  allem  nothleidenden  und  von  dem  Herbstregen  durchnäßten
  Soldaten  ausgeraubt  und  zum  Unterhalt  der  Wachtfeuer
oder  aus  Übermuth  verwüstet  wurden.

Nur  Marmont  und  einen  Theil  des  Neh'schen  Corps  auf
der  Nordseite  zurücklassend  vereinigte  Napoleon  seine  Hauptmacht
  südlich  von  Leipzig,  den  rechten  Flügel  bei  Connewitz  an
die  Pleiße  gelehnt,  von  da  über  Markleeberg,  Wachau,  Lebertwolkwitz
  bis  Probsthaide;  Bertrand  stand  bei  Lindenau  um
die  westliche  Rückzugsstraße  offen  zu  halten.  Gegen  diese  Aufstellung
  führte  Schwarzenberg  seine  Scharen  heran.  Die  Entwerfung
  des  Schlachtplans  hatte  er  Langenau  übertragen,  dem
als  geborenen  Sachsen  man  die  genaueste  Kenntniß  der  Gegend
zutraute.  Um  so  unbegreiflicher  ist  es,  wie  dieser  auf  den
Gedanken  kommen  konnte,  die  Hauptmacht  in  die  von  Gebüsch
und  Gräben  durchschnittene  sumpfige  Niederung  zwischen  Pleiße
und  Elster  zu  werfen,  um  durch  sie  Napoleons  rechte  Flanke
zu  umgehen.  Zum  Glück  scheiterte  dieser  Plan  an  Kaiser
Alexanders  Einsprache,  doch  blieben  immerhin  35000  Osterreicher
  in  diesem  Winkel  eingeklemmt.  Die  Hauptschlacht  wurde