Die  Sachsen  in  der  Schlacht  bei  Leipzig.  217

schon  damals  sich  thatsächlich  von  Napoleon  losgesagt  hatte;
derselbe  konnte  ihnen  nur  als  Gefangener  Napoleons  und  als
keines  eigenen  Entschlusses  fähig  gelten,  es  handelte  sich  also
geradezu  um  dessen  Befreiung.  Das  Bewußtsein  der  höheren
Pflicht  gegen  König  und  Vaterland  trat  in  Conflict  mit  der
des  streng  militärischen  Gehorsams.  Sogar  den  Franzosen
drängte  sich  das  Unnatürliche  in  der  Stellung  der  Sachsen
auf.  In  der  Voraussetzung,  der  König  werde  ihre  Trennung
von  ihnen  vor  der  entscheidenden  Schlacht  wünschen,  beauftragte
  Reynier  den  sächsischen  Major  v.  Schreibershofen,  den
er  am  16ten  von  Düben  an  Napoleon  schickte,  sich  auch  nach
Leipzig  zum  Könige  zu  begeben  und  ihm  zu  melden,  daß,  im
Fall  derselbe  über  die  Truppen  verfügen  wolle,  er  diese  nicht
hindern  sondern  dem  königlichen  Befehle,  sie,  vielleicht  nach
Torgau,  zu  entlassen,  nachkommen  werde;  aber  der  willenlose
König  besaß  nicht  die  Kraft  um  sich  zu  einer  so  eigenmächtigen
Verfügung  über  seine  Truppen  aufzuraffen.  In  der  Nacht
zum  18ten  erhielt  Reynier,  unstreitig  in  Folge  eines  dem  Kaiser
über  die  Stimmung  der  Sachsen  abgestatteten  Berichtes,  Befehl,
sie  nach  Torgau  zu  schicken,  wohin  das  Fuhrwerk  des  Corps
schon  früher  abgegangen  war,  allein  auch  dieser  Ausweg  war
mittlerweile  durch  das  Vordringen  der  Nordarmee  verschlossen
worden;  es  blieb  also  den  Offizieren  nichts  übrig  als  selbst
einen  anderen  zu  suchen.  Nach  Erwägung  aller  Möglichkeiten
  kamen  die  Brigadiers  überein,  nöthigenfalls  durch  den
General  v.  Zeschau,  der  aus  seinem  Widerwillen  gegen  die
Franzosen  schon  längst  so  wenig  wie  die  Übrigen  ein  Hehl
machte,  den  König  selbst  um  seine  Genehmigung  zur  Trennung
von  denselben  ersuchen  zu  lassen;  dadurch  hofften  sie,  wenn
auch  keinen  directen  Befehl,  doch  stillschweigende  Zustimmung
zu  erhalten  1).

In  dieser  Ungewißheit  erwarteten  die  Sachsen  in  ihrem
Bivouak  bei  Paunsdorf  den  Anbruch  des  18.  Octobers.  Mit
Tagesgrauen  rückte  die  sächsische  Division  in  die  Nähe  des

1)  Aster,  Schlacht  bei  Leipzig  I,  41;  II,  55ff.