Übergang  der  Sachsen  bei  Leipzig.  219

Schweden  in  Person  begrüßt  hatte,  wurde  es  nach  Freirode
zu  einem  schwedischen  Depot  geschickt.

Die  Nachricht  von  dem  libergange  der  Reiterei  erreichte
die  übrigen  sächsischen  Truppen  gegen  1  Uhr,  während  sie  bei
Sellerhausen  im  heftigen  Gefecht  mit  den  Osterreichern  unter
Bubna  begriffen  waren.  Sie  machte  den  tiefsten  Eindruck.
Auf  die  erneuten  dringenden  Vorstellungen  seiner  Offiziere  entschloß
  sich  endlich  Zeschau,  dessen  streng  soldatisches  Ehrgefühl
noch  immer  dem  gleichen  Schritte  aufs  stärkste  widerstrebte,
durch  den  Hauptmann  v.  Nostitz,  der  sich  freiwillig  dazu  erbot,
dem  Könige  das  Vorgefallene  zu  melden  und  ihm  die  Bitte
vorzutragen,  er  möge  zur  Verhütung  weiteren  Abfalls  gestatten,
daß  sich  die  Division  an  des  Königs  Person  anschließe.  Ihrem
Könige  in  unwandelbarer  Treue  ergeben  und  voll  ernstlicher
Besorgniß  für  dessen  persönliche  Sicherheit,  falls  die  Schlacht
sich  bis  nach  Leipzig  selbst  wälzen  sollte,  wäre  dieselbe  am
liebsten  auf  der  Stelle  dahin  marschiert  um  sich  zu  seinem
Schutze  aufzustellen;  da  aber  die  Unmöglichkeit,  sich  durch  das
Gewühl  im  Rücken  des  kämpfenden  Heeres  bis  zur  Stadt
durchzuarbeiten  und  die  Wahrscheinlichkeit,  daß  die  Franzosen
einen  solchen  Abmarsch  nicht  dulden  würden,  vor  Augen  lag,
so  kamen  die  Brigadiers  überein,  sobald  sie  aus  des  Königs
Antwort  ersehen  würden,  daß  derselbe  zu  unfrei  sei  um  selbständig
  zu  handeln  und  ihren  Wunsch  zu  berücksichtigen,  den
Übergang  sofort  auszuführen.  Jedem  Offizier  blieb  freigestellt,
ob  er  sich  anschließen  wolle  oder  nicht;  überzeugt,  daß  dieser
Schritt  das  einzige  Rettungsmittel  für  König  und  Vaterland
sei,  verweigerte  keiner  von  Denen,  die  dieser  Beschluß  erreichte,
den  Beitritt,  doch  hielt  man  um  nicht  die  Disciplin  zu  untergraben
  das  Vorhaben  vor  den  Mannschaften  geheim.  Um
zwei  Uhr  kehrte  v.  Nostitz  mit  der  Antwort  des  Königs  zurück  1);

1)  Sie  lautete:  „Herr  Generalleutnant  v.  Zeschan!  Ich  habe  stets
Vertrauen  in  meine  Truppen  gesetzt  und  thue  es  in  dem  gegenwärtigen
Augenblicke  mehr  als  jemals.  Die  Anhänglichkeit  an  meine  Person  können
Mir  solche  nur  durch  Erfüllung  ihrer  Pflichten  beweisen  und  Ich  bin  von