König  Friedrich  August  am  19.  October  1813.  227

noch  nie  Befehle  ertheilt,  sie  vielmehr  ganz  dem  Keiser
Napoleon  überlassen;  dessen  Befehle  möchten  sie  daher  auch
jetzt  vollziehen!“  v.  Bose  rieth  dringend  einen  Unterhändler  an
die  Monarchen  zu  schicken;  während  aber  der  König  und  Einsiedel
  noch  darüber  berathschlagten,  langten  Toll  und  Natzmer,
von  den  Einwohnern  mit  lautem  Freudenruf  begrüßt,  in  der
Wohnung  des  Königs  an.  Es  dauerte  eine  Weile,  ehe  sie  vorgelassen
  wurden,  da  der  König  aus  dem  Schlupfwinkel  im
Souterrain  herbeigeholt  werden  mußte;  erst  als  Toll  erklärte,
ihn  sogleich  sprechen  zu  müssen,  wenn  weiteres  Unglück  verhütet
werden  solle,  erschien  er,  bleich,  doch  gefaßt,  noch  in  großer
Gala,  wie  er  kurz  vorher  Napoleon  empfangen  hatte,  vor  dem
er  sich  nie  anders  zeigte.  Was  Tolls  Auftrag  betraf,  so  verwies
  er  ihn  damit  an  den  Herzog  von  Padua,  er  selbst  habe
hier  keine  militärischen  Verfügungen  zu  treffen,  auch  seine
Truppen  könne  er  daher  nicht  aus  dem  Gefecht  ziehen,  denn
er  habe  sie  seinem  „hohen  Alliierten“  überwiesen,  von  dem
und  dessen  Marschällen  allein  sie  Befehle  zu  erhalten  hätten.
Verwundert  erwiderte  Toll,  daß  dies  ganz  anders  laute,  als
was  Ryssel  den  Monarchen  vorgetragen  habe.  Der  König  gab
dies  zu,  „er  habe  damals  geglaubt,  Napoleon  habe  die  Sache
aufgegeben,  soeben  habe  ihm  aber  sein  hoher  Alliierter  versichert,
  daß  er  Leipzig  nur  verlasse  um  im  freien  Felde  zu
manoeuvrieren  und  die  Stadt  in  zwei  bis  drei  Tagen  entsetzen
werde.“  So  ganz  unmöglich  war  es  dem  Könige  den  Zauber
abzuschütteln,  mit  dem  ihn  Napoleon  gefangen  hielt!  Schon
einmal  hatte  er  ihn  fast  bis  auf  nichts  heruntergebracht  gesehen
  und  vier  Monate  später  den  schüchternen  Versuch  des
Abfalls  unter  Furcht  und  Zittern  büßen  müssen;  wie  hätte  er
undankbar  gegen  die  damals  erfahrene  Großmuth  Ahrliches
jetzt  zum  zweitenmale  wagen  sollen?  Noch  stand  das  Bild  des
gewaltigen  Schlachtenlenkers,  wie  er  durch  seine  Gegenwart  das
geängstigte  Dresden  gerettet  und  den  gefürchteten  Feind  zerschmettert
  hatte,  frisch  vor  seiner  Seele;  seitdem  lag  die  Möglichkeit
  eines  Sturzes  der  napoleonischen  Macht  ganz  außerhalb

seines  Ideenkreises.
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