Das  russische  Generalgouvernement.  235

wurden  auf  monatlich  etwas  über  50000  Thlr.  festgestellt.
In  der  Lausitz,  deren  Entlegenheit  und  eigenthümliche  Verfassung
  eine  eigene  Verwaltung  erforderte,  wurde  Graf  Reisach
zum  Oberlandcommissar  ernannt,  der  jedoch,  da  er  sich  Ordnungswidrigkeiten
  zu  Schulden  kommen  ließ,  von  Repnin  einen
sehr  scharfen  Verweis  erhielt  und,  da  die  bairische  Regierung
  ihn  wegen  Veruntrenung  böffentlicher  Gelder  reclamierte,
  im  Januar  1814  wieder  von  diesem  Amte  entfernt
wurde  1).

Die  Aufgabe,  welche  das  Generalgouvernement  vor  sich
fand,  war  ungemein  schwer  und  groß;  vor  allem  nahmen
Leipzig  selbst  und  die  Umgegend,  die  unmittelbar  nach  der
Schlacht  ein  Bild  des  äußersten  menschlichen  Elends  boten,  seine
Thätigkeit  dringend  in  Anspruch.  War  auch  die  Stadt  hauptsächlich
  durch  die  Gegenwart  der  Monarchen  vor  den  Schrecknissen
  einer  Erstürmung  bewahrt  geblieben,  so  machte  doch,
abgesehen  von  der  großen  Last  an  Gefangenen,  die  Unterbringung
und  Verpflegung  der  zahlreichen  Verwundeten  die  größten  Schwierigkeiten.
  Noch  sieben  Tage  nach  der  Schlacht  wurden  solche
Unglückliche  vom  Schlachtfelde  eingebracht.  Fortwährend  mußten
Privathäuser  und  öffentliche  Gebäude  zu  ihrer  Aufnahme  hergerichtet
  werden,  ohne  daß  es,  trotz  der  Anstrengungen  des
mit  der  Oberleitung  des  Lazarethwesens  beauftragten  Geheimen
Medicinalraths  Clarus,  trotz  der  wetteifernden  Menschenfreundlichkeit
  der  Bewohner  bei  den  sich  widersprechenden  Anordnungen
der  verschiedenen  Armeeen  und  da  sämtliche  Militärärzte  der
Verbündeten  den  Armeen  gefolgt  waren,  möglich  war,  sie  auch
nur  mit  dem  Nöthigsten  zu  versorgen.  Nach  Steins  Angabe
lagen  in  den  leipziger  Lazarethen  34000  Kranke  und  Verwundete
  aller  Nationen  aufgehäuft,  die  solchen  Mangel  litten,  daß
einige  hundert  von  ihnen  an  Entbehrungen  aller  Art  starben.

1)  Pertz  III,  448ff.  —  über  Reisach  vgl.  Dorow  1,  32.  Reisach
wurde  beschuldigt,  mit  Hinterlassung  sehr  namhafter  Cassendefecte  im
Betrag  von  800000  Fl.,  die  er  als  Generalcommissar  des  Illerkreises
begangen  habe,  heimlich  aus  Baiern  entwichen  zu  sein.  Dresdn.  Arch.