Zustand  des  Landes.  27

Seuchen,  tausende  unglücklicher  Kinder  verwaist,  ohne  Versorgung,
  die  Städte  angefüllt  mit  Lazarethen,  in  welchen  50000
Krieger  aller  Nationen  auf  Kosten  des  Landes  verpflegt  werden
mußten  1),  das  Heer  bis  auf  die  übergetretenen  5300  Mann  zerstreut,
  an  allen  Kriegsbedürfnissen  Mangel  leidend,  die  königlichen
  Kassen  bis  auf  eine  Summe  in  damals  unbrauchbaren
Kassenbillets  gänzlich  erschöpft,  der  Landescredit  vernichtet,  die
Behörden,  deren  Einrichtung  auf  eine  solche  Zeit  nicht  berechnet
war,  außer  Stand  mit  der  erforderlichen  Kraft  einzuwirken,
die  Verwaltung  zerrüttet,  ohne  Einheit  und  Übersicht,  die
Herstellung  der  Sicherheit  des  ungehinderten  Verkehrs  auf  den
Landstraßen  durch  den  Kriegszustand,  in  welchem  sich  die
Gegenden  von  Dresden,  Torgau  und  Wittenberg  befanden,
durch  die  Widersetzlichkeit  der  befreundeten  Befehlshaber  gegen
die  Landesbehörden  und  die  Ausschweifungen  im  Rücken  besonders
  des  russischen  Hceres  aufs  äußerste  erschwert.  Namentlich
  in  der  Lausitz  war  die  Landplage  der  zahllosen  russischen
  Marodeurs  und  anderen  Gesindels  so  groß,  daß  der
Landesälteste  des  Fürstenthums  Görlitz,  v.  Nostitz,  den  Vorschlag
  machte,  eine  Landmiliz  nach  Art  des  preußischen  Landsturms
  gegen  dieselben  zu  errichten.  Beim  Abzug  der  Franzosen
  schon  bot  die  Lausitz  ein  mit  keinen  Farben  zu  schilderndes
Bild  des  Elends  und  des  Jammers  und  trotzdem  hatte  sie
seitdem  die  Armeen  Blüchers  und  des  Kronprinzen,  dann  auch

1)  Die  Bevölkerung,  im  Jahre  1812  2,049252,  verminderte  sich  in
einem  Jahre  um  85000,  der  Ertrag  der  Felder  um  2  Millionen  Scheffel.
Das  Elend  in  der  lauensteiner  Gegend,  wo  acht  Wochen  lang  Franzosen
und  die  böhmische  Armee  abwechselnd  geplündert  hatten  und  der  Typhus
hauste,  fand  v.  Zezschwitz  noch  im  Januar  1815  über  alle  Beschreibung.
Leipzig  berechnete  seine  Verluste  während  der  Schlacht  auf  mehr  als
2  Millionen  Thaler,  Sewarts  Bericht  ans  Parlament  den  von  63  Dörfern
in  Leipzigs  Umgebung  auf  31  Millionen  Thaler.  Vom  26.  Februar
1810  bis  31.  December  1814  mußten  in  Dresden  10,889992  Mann
untergebracht  und  verpflegt  werden.  Die  Gesamtsumme  aller  Regquisitionen,
Verpflegungen  und  Rüstungen  vom  1.  Januar  1813  bis  15.  Juli  1814
wurde  amtlich  auf  67  Millionen  angeschlagen.