238  Das  fremde  Gouvernement  und  der  wiener  Congreß.

noch  die  Bennigsens  mit  Requisitionen  aller  Art  versehen
müssen  1).  Auf  v.  Miltitz'  Rath  schickte  Repnin  den  General
v.  Vieth  zu  Kaiser  Alexander  nach  Frankfurt,  um  ihm  die
Noth  und  das  Elend  des  Landes  vorzustellen  und  die  Mittel
zur  Abhilfe  vorzuschlagen,  falls  aber  diese  versagt  würden,  die
Entlassung  von  seinem  Posten  zu  erbitten.  Gerührt  versprach
der  Kaiser  das  Mögliche  zur  Linderung  der  Noth  zu  thun
und  Repnin  unbeschränkte  Vollmacht  für  die  zu  treffenden
Maßregeln  zu  ertheilen;  späterhin  ließ  er  sogar  dem  erschöpften
Lande  ein  Geschenk  von  800000  Frcs.  auszahlen;  eine  vor
Blüchers  Uebergang  über  die  Elbe  in  den  Lausitzen  ausgeschriebene
  Kriegssteuer,  welche  die  Kräfte  des  Landes  überstieg,  wurde,
soweit  sie  schon  entrichtet  war,  dem  Lande  auf  seinc  Leistungen
angerechnet,  das  Ubrige  erlassen.  Auch  Stein  setzte  umfassende
Maßregeln  in  Bewegung;  gerade  weil  es  sein  Hauptzweck  war,
die  Hilfsquellen  Sachsens  für  den  Krieg  zu  entwickeln,  mußte
ihm  daran  liegen,  daß  die  Kräfte  des  Landes  nicht  zerstört
würden.  Er  schlug  vor  die  Ausfuhr  von  Korn  aus  Böhmen
und  Schlesien  zu  gestatten,  Vieh  und  Getreide  aus  Polen
oder  Mecklenburg  herbeizuschaffen,  das  dresdener  Belagerungsheer
  aus  den  böhmischen  Magazinen  zu  versorgen,  der  Überbürdung
  einzelner  Ortschaften  durch  Errichtung  einer  allgemeinen
Hospitalverwaltung  vorzubeugen,  strengste  Ordnung  und  Sparsamkeit
  zu  halten  und  eine  allgemeine  Kriegssteuer  auszuschreiben
  ).

Zu  den  am  schwersten  empfundenen  Nothständen  gehörte,
daß  die  drei  Festungen  sich  noch  in  Feindes  Hand  befanden.

1)  Bericht  des  Grafen  Reisach  im  Dresdn.  Arch.  —  Vgl.  Merkel-Engelhardt
  IKX,  23:  Die  Bevölkerung  der  Oberlausitz  war  Ende  1813
um  mehr  als  9000  Köpfe  gefallen,  über  20  Rittergüter,  787  Bauergüter
u.  s.  f.,  220  städtische  Gebäude  lagen  in  Asche.  Die  Brandversicherung
vermochte  nur  ein  Sechstel  der  Vergütungsquanti  zu  zahlen.  An  Pferden
hatte  die  Provinz  gegen  10900,  an  Rindern  gegen  44000  verloren.  —
Vgl.  übersicht  der  Verwaltung  des  Generalgouvernements  der  hohen  verbündeten
  Mächte  im  Königreich  Sachsen  vom  21.  October  1813  bis
8.  November  1814.  Dresden.

2)  Pertz  III,  455.