248  Das  fremde  Gouvernement  und  der  wiener  Congreß.

die  feierliche  Uebergabe  eines  in  einem  grünen  Kreuze  von  Tuch
bestehenden  Ehrenzeichens  an  alle  Diejenigen,  die  sich  entweder
freiwillig  zur  Landesbewaffnung  gestellt  oder  ansehnliche  Beiträge
  dazu  gegeben  hatten.

So  wohlgemeint  die  Errichtung  des  Banners  war,  so  erwies
  sie  sich  doch  als  verfehlt.  Offenbar  hatte  dabei  das
Vorbild  der  Lützower  vorgeschwebt.  Wenn  es  aber  auch  Einzelne
  gab,  die  wahre  Begeisterung  zum  Eintritt  trieb,  z.  B.
den  Professor  Krug,  der,  nachdem  er  unter  dem  Donner  der
Schlacht  bei  Wachau  seine  Abschiedsrede  als  Rector  magnificus
gehalten  hatte,  sein  Silberzeug  verkaufte  um  bei  den  reitenden
  Jägern  eintreten  zu  können,  und  den  nachherigen  Superintendenten
  Tzschirner,  der  den  Banner  als  Feldprobst
begleitete  1),  so  fehlte  doch  dem  Ganzen  der  gehobene,  ernste
Geist  jener  Schar  und  er  blieb  in  der  Hauptsache  eine  kostspielige
  Spielerei,  zumal,  da  man  den  unglaublichen  Einfall
hatte,  ihn  für  einen  Theil  der  russischen  Garde  zu  erklären.
Viele  traten  nur  bei  um  der  Landwehr  zu  entgehen,  andere
aus  Lust  am  Abenteuer  oder  aus  Eitelkeit.  Die  Beschaffung
der  glänzenden  Uniformen  verzögerte  den  Ausmarsch  des  Corps,
so  daß  es  zur  ernsten  Kriegsthat  zu  spät  kam  und  keinen
Ruhm  ernten  konnte.  Nachdem  es  lange  in  Chemnitz,  noch
länger  in  Thüringen  gelegen  hatte,  auf  Repnin  wartend,  der
die  erste  große  Heerschau  darüber  halten  wollte,  gieng  es  nach
Würzburg,  wo  am  14.  April  beim  Uebersetzen  über  den  Main
bei  Miltenberg  62  Mann  ertranken  2),  und  wurde  unter  dem
Befehl  des  Herzogs  von  Sachsen-Koburg  zur  Blokade  von
Mainz  verwendet  und  nach  dessen  Capitulation  in  die  Umgegend
  verlegt.

Ein  zweites  Patent  vom  9.  November  verfügte  die  Errichtung
  der  nur  für  die  Kriegsdauer  fahnenpflichtigen  Land-1)

  Urceus  (Krug),  Lebensreise  (1825),  S.  190.

2)  Den  Begräbnißplatz  kaufte  Fürst  K.  E.  von  Leiningen,  die  Fürstin
ließ  ihn  zweckmäßig  einrichten  und  setzte  zu  Unterhaltang  der  Gräber  ein
ewiges  Jahrgeld  aus.  Neun  der  Ertrunkenen  ruhen  bei  Kleinheubach,  wo
ein  Obelisk  mit  den  Namen  sämtlicher  62  steht.