Banner,  Landwehr  und  stehendes  Heer.  249

wehr,  die  durch  einen  Ausschuß  unter  Vorsitz  des  Generals
v.  Vieth  und  unter  diesem  durch  Kreisausschüsse  geleitet  wurde.
Dieselbe  sollte  theils  ebenfalls  aus  Freiwilligen,  theils  unter
Zulassung  gewisser  Ausnahmen  1)  aus  allen  wehrbaren  Männern
von  18  bis  45  Jahren,  soviel  zur  Ergänzung  der  ersteren
nöthig,  bestehen.  Ihre  Offiziere  wurden  vom  Gouvernement
ernannt,  bis  zum  Hauptmann  auf  Vorschlag  der  Kreisausschüsse,
die  höheren  auf  den  des  Generalstabschefs.  Sollten  jevoch  Besitzer
adeliger  Güter  oder  höhere  Staatsdiener  bei  der  Wahl  übergangen
  werden,  so  sollten  diese  in  den  Landsturm  versetzt  werden,
da  es  nicht  die  Absicht  sei  die  bürgerlichen  Verhältnisse  zu
stbren.  Auch  die  Landwehr  hatte  sich  selbst  zu  kleiden,  Waffen
und  Munition  erhielt  sie  vom  Generalgouvernement,  außerhalb
ihres  Kreises  Besoldung  und  Verpflegung  des  stehenden  Heeres.
Selbst  von  den  Kanzeln  wurde  zur  thätigen  Theilnahme  an
der  allgemeinen  Landesbewaffnung  aufgefordert,  doch  gereichte
natürlich  die  große  Bevorzugung  des  Banners  der  Landwehr
vielfach  zum  Nachtheil.  Der  Landsturm  kam  überhaupt  nicht
zu  Stande.  ·

Die  Reorganisation  des  stehenden  Heeres,  welche  in  der
Gegend  von  Merseburg  stattfand,  sowie  der  Oberbefehl  über
dasselbe  war  von  den  Verbündeten  dem  General  Thielmann
übertragen  worden.  So  viel  Befähigung  auch  dieser  durch
Geschick,  Fachkenntniß  und  Energie  für  diesen  Posten  besaß,  so
machte  doch  die  Erinnerung  an  das  Vergangene  seine  Wahl  zu
einer  nicht  eben  glücklichen  und  Thielmann  selbst  gab  weder
durch  die  Annahme  derselben  noch  auch  durch  die  Art  seines
Auftretens  als  nunmehriger  Befehlshaber  Beweise  besonderen
Zartgefühls.  Die  hochgesteigerte  Vornehmheit  und  der  kalte
Stolz,  womit  er  den  Offizieren  gegenübertrat,  die  Deutschthümelei,
die  dem  früheren  enthusiastischen  Verehrer  Napoleons  sonderbar
stand,  vor  allem  die  verletzende  Bitterkeit,  mit  der  er  sich
über  den  König  von  Sachsen  aussprach,  endlich  die  Art,  wie
er  sich  des  ihm  von  Alexander  eingeräumten  Rechtes,  bis  zum

1)  u.  a.  der  Schäfer  auf  den  Schäfereien,  „wo  noch  Schafe  seien“.