250  Das  fremde  Gouvernement  und  der  wiener  Congreß.

Range  des  Obersten  unbedingte  Abschiede  zu  ertheilen,  zur
Säuberung  des  Offiziercorps  von  wirklichen  oder  angeblichen
Anhängern  Frankreichs  bediente,  machten  viel  böses  Blut  und
befestigten  zwischen  ihm  und  seinen  alten  Waffengefährten  eine
Kluft,  aus  der  sich  späterhin  schweres  Unheil  über  die  sächsischen
Truppen  ergoß  1).  Mit  vollem  Rechte  widersetzte  er  sich  einer
Verwendung  des  sächsischen  Corps  vor  vollendeter  Formation
oder  einer  Trennung  des  Ganzen  durch  Absonderung  der  verfügbaren
  Theile,  er  lehnte  daher  die  Zumuthung  Chastelers,
Klenau's  Nachfolgers,  ihm,  da  die  Capitulation  von  Dresden
verworfen  worden  sei,  die  sächsischen  Truppen  zur  Verstärkung
zu  senden  ab  in  der  richtigen  Überzeugung,  daß  St.  Cyr  an
keinen  Widerstand  mehr  denken  könne,  ebenso  widersprach  er
energisch  Blücher,  der  ein  in  der  Oberlausitz  errichtetes  Jägerbataillon
  irrthümlich  als  ein  preußisches  reclamierte,  und  dem
Freiherrn  v.  Stein,  als  er  den  St.  Heinrichsorden,  weil  er
als  Belohnung  für  die  der  französischen  Sache  geleisteten
Dienste  verliehen  worden  sei,  aufheben  wollte.  Am  meisten
aber  machte  ihm  der  Kronprinz  von  Schweden  zu  schaffen  mit
seinem  wiederholten  Verlangen,  daß  die  Sachsen,  ihrer  ursprünglichen
  Bestimmung  gemäß,  zur  Nordarmee  stoßen  sollten.
Schon  stand  Thielmann  in  Begriff,  seinem  Drängen  nachzugeben
  und  sich  im  Verein  mit  ihm  gegen  das  von  Davout  behauptete
  Hamburg  in  Marsch  zu  setzen,  da  er  selbst  fühlte,  wie
wünschenswerth  es  sei,  daß  der  marschfertige  Theil  der  Truppen
möglichst  bald  Verwendung  finde,  „um  der  so  wohldenkenden
und  so  unglücklichen  Nation  das  Recht  zu  erwerben,  sich  wieder
zu  den  Deutschen  zu  zählen“,  als  aus  dem  Hauptgquartier
für  die  Sachsen  eine  veränderte,  von  ihnen  mit  ungetheiltem
Jubel  begrüßte  Bestimmung  eintraf,  nach  welcher  sie  dem  zur
Unterstützung  Bülows  nach  Holland  gehenden  3.  deutschen
Armeecorps  unter  dem  Befehl  des  Herzogs  von  Weimar  zugetheilt
  wurden  und  vorläufig  Cantonnierungsquartiere  in  der
Goldenen  Aue  beziehen  sollten.  Mit  Einschluß  der  thüringisch-1)

  v.  Holtzendorff,  S.  139  ff.