v.  üchtritz'  Sendung  nach  Berlin.  9

durch  eine  wenigstens  scheinbar  offene  Mittheilung  an  Repnin
den  übeln  Folgen  der  Entdeckung  vorzubeugen.  Dieser  spielte
den  Unwissenden  und  versprach  strenge  Untersuchung  des  Vorfalls,
  versagte  aber  doch  dem  sächsischen  Diplomaten  die  Erlaubniß
  zur  Weiterreise,  bevor  er  nicht  dazu  aus  dem  Hauptquartier
  ermächtigt  sei.  Auch  verhehlte  er  keineswegs  seine
Mißbilligung  über  den  Versuch  durch  eine  hinter  Rußlands
und  Preußens  Rücken  mit  Osterreich  angesponnene  Intrigue
das  gute  Einvernehmen  der  verbündeten  Mächte  zu  stören;  er
tadelte  heftig  die  ohne  Genehmigung  des  Generalgouvernements
erfolgte  Sendung  Watzvorfs  nach  Frankfurt,  die  unberufene
Einmischung  Seuffts,  dessen  polnische  Politik  ihm  den  besonderen
Haß  der  Russen  zugezogen  hatte,  und  ebenso  die,  wie  er  behauptete,
  ihm  recht  wohl  bekannten  geheimen  Umtriebe,  die
von  Berlin  aus  in  Sachsen  angestiftet  worden  seien,  die  die
Sache  des  Königs  nur  verderben  könnten  und  die  er  nicht
länger  zu  dulden  entschlossen  sei.  Sachsen  werde,  nach  einer
ihm  soeben  zugegangenen  Versicherung  seines  Kaisers,  nicht  ein
Dorf  verlieren.  Der  König  könne  nichts  Besseres  thun  als
sich  ganz  und  ausschließlich  dem  Kaiser  Alexander  in  die  Arme
zu  werfen,  der  in  diesem  Augenblicke  allein  über  Sachsens
Schicksal  entscheide;  sächsische  Unterhändler  im  Hauptquartier
aber,  die  sich  die  Miene  gäben,  Rußland  durch  Osterreichs
Einfluß  die  Hände  binden  zu  wollen,  würden  nur  das  Mißtrauen
des  Kaisers  erwecken;  dagegen  werde  es  gewiß  einen  guten
Eindruck  machen,  wenn  der  König  als  Zeichen  seines  Vertrauens
die  Festung  Königstein,  den  einzigen  noch  in  seiner  Hand  befindlichen
  Punkt  in  Sachsen,  freiwillig  in  die  Hand  des  Kaisers
geben  wolle.  Mit  diesem  Rathe  entließ  er  endlich  seinen  Gefangenen
  nach  Berlin  gegen  das  Versprechen,  die  Rückreise  über
Dresden  nehmen  zu  wollen  ).

Dieser  Zwischenfall  zerstörte  die  von  Seufft  ungeschickt  genug
eingefädelten  Machinationen  und  brachte  begreiflicherweise  an

1)  üchtritz  Bericht  im  Auszug  abgedruckt  in:  Grenzboten  1870
II,  169  fl
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