Adrefsen  der  sächsischen  Offiziere  in  Marburg.  273

Vorgefallenen  machte,  mißbilligte  dieses  Verfahren  kaum  minder
als  die  unbefugte  und  in  jeder  Weise  ungeeignete  Einmischung
der  bewaffneten  Macht  in  die  Politik  1).  Auch  der  sonst  so
milde  Kleist  nahm  die  Adressen  höchst  ungnädig  auf  und  nur
den  Vorstellungen  des  Generalmajors  v.  Brause  und  des
Oberstleutnants  v.  Lindemann,  welche  ins  Hauptquartier  eilten,
gelang  es,  die  beabsichtigte  sofortige  Trennung  der  Truppen
rückgängig  zu  machen.  Den  8.  September  wurde  das  Corps
nach  Koblenz  zurückverlegt  und  hier  demselben  eine  Ordre  des
Generals  Kleist  vom  gten  bekannt  gemacht,  in  welcher  derselbe
die  Unstatthaftigkeit  der  eine  Aufkündigung  des  Gehorsams  gegen
die  alliierten  Mächte  in  sich  schließenden  Annahme,  als  ob  das
Heer  noch  mit  seinem  Eide  dem  König  von  Sachsen  verpflichtet
sei,  ernst  und  entschieden  einschärfte  und  Thielmann  befahl  den
Offizieren  zu  eröffnen,  daß  er  sich  genöthigt  sehe  sich  wegen
dieses  unbedachten  Schrittes  an  Lecoq  als  ältesten  General  und
den  Obersten  v.  Zezschwitz  als  Chef  des  Generalstabs  zu  halten;
Beide  seien  daher  sofort  zur  Verantwortung  nach  Dresden  zu
weisen.  „Den  übrigen  Generalen,  Brigadiers  und  Commandeuren“,
  fuhr  er  fort,  „bitte  ich  zu  sagen,  daß  es  mir  nicht
fremd  ist,  wie  es  Augenblicke  im  menschlichen  Leben  gibt,  in
welchen  das  Herz  auf  die  Handlungen  der  Menschen,  und  gerade
auf  die  achtungswerthesten,  einen  zu  großen  Einfluß  gewinnt.
Legen  Sie  ihnen  die  Adressen  vor,  damit  sie  sich  selbst  überzeugen,
  auf  welche  Art  sie  abgefaßt  sind.  Ich  werde  keinen
Gebrauch  zu  ihrem  Nachtheil  davon  machen.  Die  Adressen
der  drei  Kavalerieregimenter,  des  ersten  leichten  Infanterieregiments
  und  des  Generalstabs  enthalten  nichts,  was  gegen
die  Verhältnisse  verstößt;  ich  werde  sie  daher  einreichen.“
Gleichzeitig  erschien  Kleists  Generalstabschef,  v.  Müffling,  um
die  Ordnung  wiederherzustellen;  bei  seiner  Ankunft  waren  jedoch
die  Offiziere  bereits,  Dank  besonders  den  Bemühungen  des
Obersten  Aster  und  des  Hauptmanns  Heymann,  zur  Besinnung
zurückgekehrt;  sie  fügten  sich  in  die  verlangte  Weglassung  der

1)  Pertz  IV,  80.
Flathe,  Neuere  Geschichte  Sachsens.  18