Graf  Schulenburg  in  Wien.  279

umschließt;  wenn  Sie  glauben  würden  alle  Gründe  zu  diesem
Zwecke  erschöpft  zu  haben,  so  würden  wir  selbst  ebenso  viele
erwähnen  können,  die  uns  in  dieser  Absicht  bestätigen  und  Ihnen
vielleicht  unbekannt  sind.  Allein  Osterreich  darf,  wenn  es  diese
Vergrößerung  Preußens  gilt,  keine  Argumente  von  seiner  eigenen
  Convenienz  aufstellen  um  solche  zu  hindern,  denn  dieseh
würde  Preußen  mit  ebensoviel  Recht  Gründe  von  dessen  Convenienz,
  die  ihm  diese  Vergrößerung  wünschenswerth  machen,
entgegensetzen.  Man  kann  nur  auf  der  Unrechtmäßigkeit  der
Handlung  an  und  für  sich  bestehen  und  nur  das  politische
Verbrechen  einer  dergleichen  Spoliation  geltend  zu  machen
suchen.  Dies  sind  die  einzigen  Mittel,  die  uns  und  dem  Könige
von  Sachsen  zu  Gebote  stehen,  welcher  sich  in  seiner  Lage  mit
derjenigen,  in  welcher  sich  der  Pabst  in  Frankreich  befand,
vergleichen  kann.  So  großen  Werth  die  Freundschaft  mit
Preußen  für  Osterreich  hat,  so  ist  diese  Frage  ein  Punkt,  worin
das  Interesse  beider  Staaten  einander  ganz  entgegensteht;  allein
Krieg  mit  ganz  Europa  können  wir  deswegen  nicht  führen,  es
fragt  sich  nun,  ob  Preußen  und  Rußland  für  dieselbe  Krieg
machen  wollen  und  welches  Schwert  das  andere  in  der  Scheide
halten  wird.“  "

„Aus  diesen  Außerungen  scheint  mir  hervorzugehen“,  setzt
Schulenburg  hinzu,  „daß  Österreich  alles,  nur  keinen  Krieg
versuchen  wird  um  Sachsens  Einverleibung  zu  verhindern,  daß
es  aber  die  Hoffnung  nährt,  Preußen  und  Rußland  würden
ebenso  abgeneigt  sein  einen  Krieg  anzufangen  um  jene  Vereinigung
  zu  erzwingen  und  daß,  wenn  man  Frankreich  und  England
veranlassen  könnte,  sich  für  den  König  zu  erklären,  alsdann  auf
OÖsterreich,  durch  jene  Unterstützung  aufgemuntert,  mehr  zu
rechnen  sein  würde.  —  Leider  kann  ich  nicht  bergen,  daß  ich
in  letzter  Instanz  wenig  Vertrauen  zu  Österreichs  Energie  habe.
Es  gesteht  zu  laut  die  Absicht  ein  gewissermaßen  keine  anwenden
zu  wollen.  Die  persönlichen  Eigenschaften  Derer,  so  Einfluß
auf  die  politischen  Bestimmungen  dieser  Macht  haben,  sind
jedem  gewagten  Entschlusse  zuwider.  Die  Armee  hat  nicht  den
Geist,  den  man  ihr  wünschen  möchte,  und  hierüber  tritt  bei