Graf  Schulenburg  in  Wien.  281

Schulenburg  angewiesen  sich  der  Leitung  des  österreichischen
Cabinets  unbedingt  zu  überlassen  1).  Daneben  sollte  er  auch
die  Unterstützung  der  Vertreter  von  Frankreich,  England,  Baiern
und  Würtemberg  suchen.  Da  für  Wiedererlangung  des  Herzogthums
  Warschau  keine  Aussicht  vorhanden  sei,  so  soll  er  dessen
Abtretung,  jedoch  gegen  Entschädigung  und  Wiedererstattung
der  dem  polnischen  Schatze  gemachten  Vorschüsse  zugestehen,  ist
eine  Entschädigung  nicht.  zu  erlangen,  sich  auf  die  Forderung
der  Wiederherstellung  des  Königs  in  Sachsen  beschränken.  Sollte
Preußen  mit  Ansprüchen  auf  einen  Theil  von  Sachsen  hervortreten,
  so  soll  er  Mangel  an  Instruction  vorschützen,  im  äußersten
Falle  aber  erklären,  daß  der  König  darein  nur  willigen  werde,
wenn  die  Forderung  sehr  ermäßigt  und  der  König  für  das
Abzutretende  anderweit  entschädigt  würde.  Hierbei  waren  die
Ansprüche  Sachsens  auf  verschiedene  jetzt  preußische  Gebietstheile,
darunter  selbst  die  alten  auf  Jülich  und  Cleve  aufgezählt.
Nehme  Preußen  den  cottbusser  Kreis  zurück,  so  müsse
Sachsen  das  dafür  an  Westfalen  abgetretene  Gebiet  zurückerhalten,
  ebenso  für  die  dem  cottbusser  Kreise  geleisteten  und

1)  Einsiedel  an  Metternich,  26.  August:  „Dabei  ist  der  König  von
Ew.  bisher  bewährten  Denkungsart  gegen  Seine  Person  und  Sein  Haus
vollkommen  überzeugt,  daß  Hochdieselben  Seinem  Bevollmächtigten  Ihren
weisen  Rath  und  wirksamen  Beistand  nicht  versagen  werden.  Ich  bin
jedoch  beauftragt,  in  des  Königs  Namen  Ew.  ausdrücklich  darum  zu
ersuchen  und  zu  versichern,  daß  Se.  Maj.  solches  mit  Dankbarkeit  erkennen
  und  Sich  ein  Vergnügen  daraus  machen  werden,  Hochdemselben
Beweise  der  schon  längst  gegen  Sie  hegenden  Achtung  und  Wohlwollens
zu  geben.“  —  Lagarde  (Congrès  de  Vienne  [1843]  L,  429)  erzählt,
der  König  habe  zwei  einflußreiche  Männer  in  Wien  mit  einigen  Millionen
bestochen;  gemeint  sind  Metternich  und  Talleyrand.  Chateaubriand
(Mémoires  d'outretombe  IBruxzelles  1849]  X,  100)  behauptet,  Talleyrand
sei  von  ihm  durch  3  Millionen  Frcs.  bestochen  worden.  Vgl.  Pertz
IV,  118.  Obgleich  diese  Angaben  an  sich  nichts  Unglaubliches  haben,  so
fehlt  doch  der  Beweis  für  dieselben,  zumal  da  Friedrich  August  im  Jahre
1829  die  Rechnungen  der  königlichen  Chatulle  von  1802  an  hat  vernichten
  lassen,  und  es  ist  zu  bedenken,  daß  für  Beide  auch  ohne  sächsisches
Geld  die  stärksten  Triebfedern  vorhanden  waren  um  sich  des  Königs  anzunehmen.
