282  Das  fremde  Gouvernement  und  der  wiener  Congreß.

größtentheils  noch  nicht  zurückerstatteten  Vorschüsse  entschädigt
werden.  Noch  immer  verschloß  also  das  sächsische  Cabinet  wie
absichtlich  die  Augen  gegen  die  Einsicht,  daß  es  sich  nicht  um
ein  größeres  oder  geringeres  Opfer,  das  Sachsen  zu  bringen
haben  könne,  sondern  um  die  Existenz  des  Staates  handle.
Denn  über  diese  schien  bereits  das  Urtheil  gesprochen,  als
die  Souveraine  sich  in  Begleitung  ihrer  vertrautesten  Rathgeber
in  Wien  versammelten.  In  eigenthümlicher  Weise  hatte  sich
schon  bei  den  Vorbesprechungen  zu  Paris  herausgestellt,  daß  die
Frage  über  Sachsens  Schicksal  auf  das  engste  mit  der,  was
aus  Polen  werden  solle,  verflochten  war,  daß  die  Entscheidung.
über  dieses  zugleich  die  über  jenes  bedingte.  Das  Herzogthum
Warschau,  das  war  der  Plan  des  Kaisers  Alexander,  sollte
mit  Rußland  vereinigt  werden;  mit  Begeisterung  gieng  er  auf
den  ihm  von  den  polnischen  Patrioten  unterbreiteten  Gedanken
einer  Wiederherstellung  des  polnischen  Reichs  unter  russischem
Scepter  ein.  Allerdings  konnten  weder  Osterreich  noch  Preußen
einen  Plan  begünstigen,  der  Rußland  eine  solche  weit  in  das
Herz  des  Erdtheils  vorspringende  und  beide  Nachbarn  auf  das
höchste  bedrohende  Stellung  gab;  doch  legte  Preußen  anderseits
auf  die  Wiedererwerbung  seiner  ehemaligen  polnischen  Besitzungen
zu  wenig  Werth,  um  sie  nicht  bereitwillig  an  Rußland  zu  überlassen,
  wenn  es  dafür  innerhalb  Deutschlands  die  ihm  im
kalischer  Vertrage  verheißene  Wiederherstellung  seines  früheren
Umfanges  erlangen  konnte.  Fiel  aber  wirklich  ganz  Warschau
an  Rußland,  so  gab  es,  seitdem  Österreich  den  Rheinbundfürsten
ihren  Länderbesitz  garantiert  und  Preußen  selbst  vorschnell  auf
die  Wiedererlangung  von  Ostfriesland,  Ansbach  und  Baireuth
verzichtet  hatte,  dazu  überhaupt  kein  anderes  Mittel  mehr  als
die  Vereinigung  Sachsens  mit  Preußen.  Um  also  Polen  zu
erlangen  betrieb  Alexander  ohne  Rücksicht  auf  die  mehr  oder
minder  zweideutigen  Vertröstungen,  die  er  dem  Könige  von
Sachsen  gegeben,  die  Einverleibung  Sachsens  in  Preußen  und
diesmal  nahm  letzteres  diese  die  Abrundung  seines  Staatskörpers
auf  das  vortheilhafteste  vervollständigende  Entschädigung  bereitwillig
  an.  Als  Kaiser  Alexander  am  25.  September  seinen