Berlegenheit  Preußens.  303

sich  fast  einhellig  gegen  die  Zerstückelung  erklären.“  Weit  vortheilhafter
  sei  für  den  König  von  Sachsen  die  ihm  von  Preußen
angebotene  Entschädigung  in  Westfalen.  Sollte  er  aber  seine
Einwilligung  verweigern,  so  könnte  jenes  Gebiet  für  Rechnung
seines  Nachfolgers  verwaltet  werden.  Das  Recht  der  Verfügung
über  Sachsen  sei  um  so  weniger  zweifelhaft,  als  der  jetzt  kriegsgefangene
  Fürst  unbedenklich  ein  Stück  von  Preußen  von  Napoleon
  als  Siegespreis  angenommen  haben  würde,  auch  der
Vorfahr  des  Königs  sei  in  Folge  eines  Sieges  Kurfürst  geworden.
  Preußen  müsse  auf  ganz  Sachsen  bestehen,  es  beharre
bei  der  bereits  ertheilten  Einwilligung  Osterreichs  und  Englands,
von  denen  es  seine  Sache  nicht  trennen  werde  und  die  seine
Schwächung  nicht  wünschen  könnten.  Außerdem  bot  er  Osterreich
  einen  Gebietstausch  in  Oberschlesien,  wobei  es  110000
Seelen  gewinne.

Dieser  Nothschrei  der  Bestürzung  konnte  an  keine  falschere
Adresse  gerichtet  sein.  Metternich  war  von  einer  Unterstützung
preußischer  Forderungen  jetzt  weiter  entfernt  denn  je;  war  doch
selbst  sein  Vorschlag  einer  Theilung  Sachsens  nicht  ehrlich  gemeint
  sondern  mit  dem  Hintergedanken  gemacht,  sich  mit  Rußland
allein  zu  verständigen  und  Preußen  um  jeden  Gewinn  zu  bringen.
  Er  wußte  sehr  wohl,  daß  Alexander  und  Hardenberg
Recht  hatten,  wenn  sie  behaupteten,  daß  eine  Theilung  Sachsens,
die  willkürliche  Zerreißung  eines  durch  jahrhundertelange  Gewöhnung
  fest  zusammengewachsenen  Staatsganzen,  durch  welche
zahllose  Interessen  verletzt  werden  mußten,  von  allen  Eventualitäten
  diejenige  sei,  welche  von  der  Bevölkerung  des  Landes
selbst  am  meisten  gefürchtet  würde.  In  diesem  Gefühle  waren
die  beiden  Parteien,  die  sich  in  Sachsen  gegenüberstanden,  einig,
nur  über  den  Weg,  auf  dem  sich  dieser  Ausgang  vermeiden
lasse,  giengen  sie  auseinander.  Denn  während  die  Einen  bereit
waren  um  diesen  Preis  sich  ohne  Murren  dem  preußischen
Scepter  zu  unterwerfen,  scharten  die  Andern  sich  um  so  fester
um  die  bedrohte  Dynastie  und  hofften  durch  deren  Erhaltung
schließlich  doch  auch  den  ungeschmälerten  Bestand  ihres  Vaterlandes
  gerettet  zu  sehen.  In  dieser  Partei  wurzelte  eine