304  Das  fremde  Gouvernement  und  der  wiener  Congreß.

Bitterkeit  gegen  Preußen,  die  seit  der  Einsetzung  der  neuen
Verwaltung,  da  von  derselben  mancherlei  Mißgriffe  geschahen
und  das  vordringliche  preußische  Wesen  vielfach  verletzte,  häufiger
  und  heftiger  hervortrat  1).  Bezeichnend  genug  wurde  das
bei  der  anbefohlenen  Feier  des  Jahrestags  der  Schlacht  bei
Leipzig  auf  dem  Schlachtfelde  provisorisch  errichtete  Denkmal
eines  Morgens  umgestürzt  und  zerstört  gefunden;  es  gieng
sogar  das  Gerücht  von  einem  Mordanfall,  den  ein  junger
exaltierter  Sachse  auf  den  König  von  Preußen  gemacht  habe  2).
Eben  die  durch  eine  Theilung  voraussichtlich  hervorgerufene
allgemeine  Unzufriedenheit  war  es,  auf  welche  das  wiener  Cabinet
seine  Berechnungen  baute;  es  hoffte  dadurch  Preußen  einen
Pfahl  ins  Fleisch  zu  treiben,  einen  unhaltbaren  Zustand  zu
schaffen,  der  sich  über  kurz  oder  lang  wieder  auflösen  müsse.
Als  der  Großherzog  von  Weimar  dem  Kaiser  Franz  die  Nachtheile
  auseinandersetzte,  welche  eine  Theilung  des  Landes  haben
müsse,  nicht  bloß  für  die  Verwaltung  sondern  auch  weil  sie  die
Gährung  in  den  Gemüthern  erhalten  würde,  erwiderte  ihm
dieser:  „Sie  verstehen  die  Sache  nicht;  wenn  das  Land  getheilt
wird,  so  kommt  es  am  ersten  wieder  zusammen“  7).

Diese  Tendenz  fand  in  Metternichs  Antwort  auf  Hardenbergs
  letzte  Note  4)  ihren  offenen  Ausdruck.  Indem  er  darin
die  polnische  Frage  als  im  wesentlichen  entschieden  behandelte,
erklärte  er  die  Vereinigung  von  ganz  Sachsen  mit  Preußen  für

1)  Pertz  IV,  122.  —  „Oppresseurs  pour  oppresseurs“  —  schreibt
Watzdorf  an  Just  —,  „le  nom  ny  change  rien,  il  est  plus  odieux  encore
etre  opprimé  par  nos  freres.“

2)  Dorow,  Erlebtes  I,  121.  Raumer,  Hist.  Taschenbuch  1860,
S.  377  ff.

3)  v.  Wolzogen,  Memoiren  (1851),  S.  277.  —  Noch  im  Februar
1815  schreibt  Prinz  Anton:  „Mon  beau-Irere  dit,  que  si  nous  gardons
un  morceau,  nous  avons  Tespoir  d'acquérir  le  reste  avec  le  temps  au
moins  en  grande  partie,  non  en  manquant  à  la  renonciation  stipulée,
mais  par  quelque  heureuse  chance  et  il  ne  doute  pas  de  la  guerre
en  duelques  années  et  alors  un  traité  de  paix  peut  nous  rendre  ce
qu'un  autre  nous  a  öté.“  Atlchiv  für  sächs.  Gesch.  I,  110.

4)  vom  10.  December.  Klüber  VII,  28.