Widerstand  Metternichs  gegen  die  Einverleibung  Sachsens.  305

schlechthin  unzulässig,  da  dieselbe  sowohl  für  die  zur  Consolidierung
  Deutschlands  unerläßliche  Verbindung  zwischen  Preußen
und  Osterreich  als  auch  für  die  Gründung  des  deutschen
Staatenbundes  ein  unübersteigliches  Hinderniß  bilden  würde,
ersteres,  weil  die  Grundsätze  des  Kaisers,  die  engsten  Familienbande
  und  alle  Grenzverhältnisse  Osterreichs  sich  ihr  entgegensetzten,
  letzteres,  weil  die  Hauptstaaten  Deutschlands  erklärt
hätten,  einem  Bundesvertrage  auf  einer  ihre  eigene  Sicherheit
so  sehr  bedrohenden  Grundlage  nicht  beitreten  zu  wollen.  Da
auch  Frankreich  sich  kategorisch  gegen  die  Eroberung  von  ganz
Sachsen  ausgesprochen  habe,  so  würde  die  Durchsetzung  dieser
Forderung  nur  dazu  dienen  das  Protectorat  über  Deutschland
wieder  in  die  Hände  dieser  Macht  zu  bringen.  Der  Kaiser  sei
innig  überzeugt,  daß  er,  indem  er  in  dieser  Lage  der  Sache
seine  Zustimmung  zur  Einverleibung  Sachsens  versage,  als
wahrer  und  einsichtiger  Freund,  nicht  als  Nebenbuhler  Preußens
verfahre.  Dieses  müsse  seine  Hauptentschädigung  in  Polen  und
am  Rhein  suchen,  nur  zu  deren  Vervollständigung  bot  Metternich
  in  einem  beigefügten  Entschädigungstableau  etwa  ein  Fünftheil
  von  Sachsen  mit  432900  Seelen,  nämlich  die  Niederlausitz,
den  wittenberger  Kreis  nebst  Barby  und  Gommern,  Querfurt
und  Jüterbock,  Mansfeld  und  die  thüringischen  Amter.  Aber
auch  dies  Wenige,  was  Osterreich  bot,  war  nur  Blendwerk,
wie  sich  aus  dem  Begleitschreiben  ergibt,  mit  welchem  Metternich
diese  Note  dem  französischen  Cabinet  übersendete.  Wohl  wissend,
daß  dieses  von  der  Aussicht,  Preußen  am  Rhein  zum  Nachbar
zu  bekommen,  nicht  sehr  erbaut  sein  werde,  entschuldigte  er  sich
darin,  die  Note  habe  ebenso  abgefaßt  werden  müssen,  damit
sie  mit  den  früheren  nicht  allzusehr  contrastiere,  es  sei  aber
wohl  zu  beachten,  daß  man  darin  Preußen  nichts  mit  Bestimmtheit
  anbiete  sondern  nur  andeute,  aus  welcher  Masse
allenfalls  seine  Entschädigung  genommen  werden  könne  1);  und
fast  mit  den  nämlichen  Worten  wurden  auch  Graf  Einsiedels
Besorgnisse  beschwichtigt.

1)  v.  Gagern,  Mein  Antheil  II,  88f.
Flathe,  Neuere  Geschichte  Sachsens.  20