312  Das  fremde  Gouvernement  und  der  wiener  Congreß.

Wunsche  des  Prinzen  entsprechend  wurde  ihm,  17.  Januar,
für  den  Fall,  „daß  dem  Könige  alle  Communication  mit  seinen
Staaten,  seiner  Familie  und  den  befreundeten  Höfen  abgeschnitten
und  unmöglich  gemacht  werden  sollte“,  eine  Vollmacht  zur
Übernahme  der  Regentschaft  ausgestellt.  Falls  der  Congreß
sich  zerschlüge  und  ein  Krieg  ausbräche,  solle  er  sich,  sobald
Sachsen  ganz  oder  theilweise  von  den  preußischen  Truppen  befreit
  sein  würde,  dahin  begeben,  das  Land  im  Namen  des
Königs  verwalten,  die  nöthigen  Verfügungen  und  Proclamationen
erlassen,  mit  den  Landesbehörden  und  Ständen  sich  berathen
und  die  Mittel  zur  Fortsetzung  des  Kriegs  aufbringen;  ferner
solle  er  sich  der  Armee  versichern  und,  sobald  dieselbe  sich  in
Freundesland  befinde,  sollen  die  Prinzen  Friedrich  und  Clemens
sich  zu  ihr  begeben  und  mit  ihr  am  Feldzuge  theilnehmen.
Vorläufig  blieb  diese  Vollmacht  versiegelt  in  Schulenburgs  Verwahrung,
  der  sie  dem  Prinzen  erst  ausantworten  sollte,  „wenn
er  Ursache  habe  zu  glauben,  daß  der  obenerwähnte  Fall  wirklich
  eingetreten  sei“  1).  Nach  Prag  schickte  der  König  den
General  v.  Watzdorf,  damit  sein  Bruder  Maximilian  ebenfalls
im  Fall  einer  gewaltsamen  Katastrophe  einen  zuverlässigen  Mann
zur  Seite  habe.  Also  zu  all  der  Noth  und  Schmach,  die  das
unglückliche  Sachsen  seit  zehn  Jahren  über  sich  hatte  ergehen
lassen  müssen,  sollte  es  jetzt  nun  auch  noch  die  viel  schlimmere
erdulden,  die  Brandfackel  eines  Kriegs  zu  werden,  dessen  Motive
  so  verhängnißvoll  waren  wie  sein  Ausgang  dunkel.

Indes,  so  unüberlegt  Castlereagh  und  Metternich  sich  hatten
fortreißen  lassen,  so  schwierig  zeigte  es  sich,  dem  Sonderbunde
praktische  Folgen  zu  geben.  Ersterer  insbesondere  besann  sich
bald,  daß  sein  Vaterland  von  ihm  die  Herstellung  des  Friedens,
nicht  die  Entzündung  eines  neuen  Kriegs  erwarte.  Als  daher
Rußland  und  Preußen  ihre  Zustimmung  zu  Talleyrands  Zulassung
  zu  den  besonderen  Conferenzen  über  Sachsen  an  die
Bedingung  knüpften,  Castlereagh  solle  seine  mehrfach  wiederholte
Erklärung,  daß  die  Frage  über  die  Entschädigung  Preußens

1)  Dresdn.  Arch.