Festsetzung  der  Theilungslinie.  315

Sachsen,  der  Entschluß  des  Königs  von  Sachsen  möge  sein,
welcher  er  wolle.  Auf  Grund  dieser  Vorschläge  wurde  zwei
Tage  darauf  zwischen  den  betheiligten  Mächten  eine  Übereinkunft
  über  die  Territorialverhältnisse  der  preußischen  Monarchie
abgeschlossen,  durch  welche  dieselbe  ihre  nachherige  Gestalt  erhielt.
  In  Sachsen  wurde  danach  eine  Theilungslinie  gezogen,
nach  welcher  die  Städte  Seidenberg  an  der  böhmischen  Grenze,
Reichenbach,  Wittichenau,  Ortrand,  Mühlberg  mit  dem  geraden
Wege  über  Merzdorf  und  Gröbeln  zwischen  beiden,  Schilda,
Eilenburg,  Schkeuditz,  Altranstädt,  Lützen  und  der  ganze  Floßgraben
  jenseits  der  weißen  Elster  an  Preußen  fielen,  und  die
sich,  das  Stift  Zeiz  einschließend,  bei  der  Stadt  Luckau  am
Altenburgischen  endigte.  Auch  der  ganze  neustädter  Kreis,  das
kursächsische  Henneberg  und  die  sächsischen  Enclaven  im  Reußischen
  fielen  an  Preußen.  Bereits  am  19.  Februar  erließ  das
preußische  Generalgouvernement  in  Dresden  eine  Verfügung,
wonach  die  nunmehr  nöthig  werdende  Ausgleichung  in  Betreff
der  Archive,  Staats=  und  Provinzialschulden,  Cassen,  Abgabenrückstände,
  des  Vermögens  öffentlicher  Institute  und  Stiftungen,
der  Armee,  des  Kriegsmaterials,  der  Lehnsverhältnisse  2c.  unverzüglich
  vorbereitet  werden  sollte  2).

Damit  waren  die  langwierigen  Verhandlungen  über  das
Schicksal  Sachsens,  nachdem  sie  die  seltsamsten  Phasen  durchlaufen
  hatten,  im  wesentlichen  zum  Abschluß  gebracht.  Was
die  Erhaltung  Sachsens  unter  seiner  alten  Dynastie  durchsetzte,
war  weder  die  Freundschaft  für  den  König  Friedrich  August
noch  die  Überzeugung  von  der  Gerechtigkeit  seiner  Sache  sondern,
  so  schmerzlich  dies  Bekenntniß  ist,  die  Feindschaft  gegen
Deutschland  und  die  Eifersucht  gegen  Preußen.  Aber  wie  der
Verlauf,  so  war  auch  das  erzielte  Resultat  in  mehr  als  einer
Beziehung  überaus  merkwürdig.  Die  Theilung  Sachsens  war
zunächst  und  unmittelbar  ein  über  Preußen  erfochtener  Triumph.
Osterreich  hatte  die  Erhaltung  eines  Zwischenstaates  durchgesetzt,
der,  obschon  viel  zu  schwach  als  Bollwerk,  doch  ein  gefügiges

1)  Klüber  VII,  96.  128.  141.