Gegenanstrengungen  von  sächsischer  Seite.  317

Frankreich  auch  das  Ganze  retten  werde.  Jetzt  sah  er  mit
tiefer  Bekümmerniß,  daß  selbst  der  bei  der  Erhaltung  Sachsens
am  meisten  betheiligte  Hof  auf  dessen  Zerstückelung  anzutragen
fortfuhr.  „Sollte  wohl“,  ruft  er,  „die  Besorgniß  ungerechtfertigt
  sein,  daß  Preußen  durch  die  vorgeschlagene  Theilung  in
den  Stand  gesetzt  werden  wird,  bei  der  ersten  Gelegenheit  auch
das  übrige  an  sich  zu  bringen?“  Um  Nichts  unversucht  zu
lassen  ertheilte  er  dem  Legationsrath  Biedermann  den  Auftrag,
von  Leipzig  aus,  besonders  von  seiten  des  dasigen  Handelsstandes,
  eine  nachdrückliche  Verwendung  nach  England  zu  veranlassen,
  dann  überhaupt  nach  Gelegenheit  und  Umständen
Adressen  an  den  Congreß  in  Gang  zu  bringen.  Despgleichen
ließ  Schulenburg,  da  jene  vom  Grafen  Hohenthal  ausgegangene
Adresse  nur  Unterschriften  aus  den  Adels=  und  hohen  Beamtenkreisen
  getragen  hatte,  die  Andeutung  nach  Sachsen  gelangen,
man  solle  womöglich  die  Unterschriften  von  Municipalitäten
und  Amtodörfern  durch  die  königlichen  Amtleute  zu  erlangen
suchen  um  dem  Einwurfe  zu  begegnen,  als  ob  nur  die  privilegierten
  Stände  die  Rückkehr  des  Königs  wünschten.  Versuche
des  preußischen  Gouvernements  Adressen  im  entgegengesetzten
Sinne  zu  Stande  zu  bringen  hatten  keinen  Erfolg.  Aber  auch
Biedermann  fand  in  Leipzig  „die  Stimmung  der  Kaufmannschaft
  so  gemischt  wie  das  mercantile  Interesse  der  Einzelnen“.
Es  gelang  ihm  indes  mit  Hilfe  des  Geheimenraths  v.  Werthern
und  des  Bürgermeisters  Dr.  Siegmann,  der  auch  in  Geldgeschäften
  dem  gefangenen  Hofe  sehr  behilflich  war,  „die  anfangs
zweideutige  Tendenz  der  kaufmännischen  Deputation,  deren  Absendung
  von  Leipzig  nach  Wien  beschlossen  wurde,  zu  läutern
und  dieselbe  auf  den  rein  patriotischen  Zweck  zurückzuführen,
welchem  Preußen  auf  mancherlei  Weise  entgegengearbeitet  hatte“.
Nicht  ohne  viele  Mühe  wurde  die  Kaufmannschaft  zu  dem  Beschluß
  gebracht  eine  Adresse  nach  England  abgehen  zu  lassen,
aber  erst  Mitte  März  kam  diese  in  Form  einer  Denkschrift
über  „die  Zerstückelung  Sachsens,  hauptsächlich  in  Beziehung
auf  das  englische  Handelsinteresse  betrachtet“  zu  Stande,  und
es  blieb  zweifelhaft,  ob  es  der  Kaufmannschaft  mit  deren  Ver-