Aufruhr  der  Sachsen  in  Lüttich.  333

datenhaufen  unter  lautem  Geschrei  vor  Blüchers  Wohnung.
stürmten.  Den  hinzueilenden  Offizieren  gelang  es  sie  zum.
Auseinandergehen  zu  bewegen,  sie  ließen  die  Bataillone  sofort
antreten,  dann  aber  nach  begütigendem  Zureden  wieder  auseinandergehen
  ohne  weitere  Vorsichtsmaßregeln  zu  ergreifen.
Umsonst  aber  erschöpften  sie  sich  bei  Gneisenau  in  Vorstellungen
und  Bitten  um  Aufschub  der  Maßregel,  nach  diesem  Zwischenfall
  bestand  dieser  nur  um  so  fester  auf  buchstäblicher  Ausführung
  des  Befehls.  Bald  jedoch  erschienen  die  beiden  Grenadierbataillone
  des  Garderegiments  aufs  neue  in  tobenden  Massen
vor  Blüchers  Hauptquartier,  mehrere  preußische  Offiziere,  welche
mit  blanker  Waffe  in  sie  eindrangen,  geriethen  in  Lebensgefahr,
Steine  flogen  gegen  die  Fenster.  Außer  sich  vor  Zorn  will
Blücher  sich  mit  dem  Säbel  in  der  Faust  den  Empörern  entgegenstürzen,
  fast  mit  Gewalt  bringt  man  ihn  durch  eine
Hinterthüre  aus  der  Stadt,  während  die  Empörer,  taub  gegen
die  Bitten  und  Befehle  ihrer  eigenen  Offiziere,  in  das  Haus
dringen  und  es  nach  angeblich  darin  gefangen  gehaltenen  Kameraden
  durchsuchen.

Eine  strenge  Ahndung  dieses  Aufruhrs  war,  zumal  auf  der
Schwelle  des  Kriegs  gegen  Napoleon,  unter  dessen  Fahnen  die
Meuterer  noch  vor  kurzem  gefochten  hatten,  ein  Gebot  der
Nothwendigkeit.  Oberst  v.  Zezschwitz,  der  das  Commando  in
der  Stadt  übernommen  hatte,  erhielt  Befehl,  noch  in  der  Nacht
das  Gardebataillon  nach  Huy  abmarschieren  zu  lassen;  erst  den
angestrengten  Bemühungen  der  Offiziere  gelang  es  die  Widerspänstigen
  soweit  zum  Gehorsam  zurückzubringen,  daß  der  Abmarsch
  in  leidlicher  Ordnung  geschah;  aber  dem  begegnenden
Feldmarschall  verweigerte  es  trotzig  die  Ehrenbezeugung.  Ein
zweiter  Befehl  Blüchers  ordnete  für  den  nächsten  Morgen  die
Räumung  der  Stadt  von  sämtlichen  sächsischen  Truppen  an;
Vorkehrungen  waren  getroffen,  sie  auf  dem  Marsche  in  ihre
Quartiere  zu  trennen  und  mit  preußischen  Truppen  zu  umringen.
  Als  aber  die  beiden  Grenadierbataillone  und  das
2.  Linienregiment  den  Abmarsch  nach  Verviers  und  Maastricht
antreten  sollten,  brach  die  Widersetzlichkeit  aufs  neue  aus,  die