392  Sachsen  von  1815—1833.

mit  Niemandem  sprach  er,  der  nicht  wenigstens  Oberstenrang
hatte;  seine  Brüder  dagegen,  die  Prinzen  Anton  und  Maximilian,
  liebten  es  dem  auch  auf  ihnen  lastenden  Banne  der
Etikette  sich,  wo  es  gieng,  seitab  zu  entziehen.  Letzterer  lebte  im
häuslichen  Kreise  der  Erziehung  seiner  Kinder,  von  denen  ihm
Prinz  Clemens,  sein  zweiter  Sohn,  auf  einer  mit  seinem  jüngeren
  Bruder  Johann  unternommenen  Reise  24  Jahr  alt
1822  zu  Pisa  durch  einen  plötzlichen  Tod  entrissen  wurde.
Die  wenig  geselligen  Gewohnheiten  des  Hofes  brachten  es  mit
sich,  daß  sich  für  die  wissenschaftliche  Ausbildung  der  jungen
Prinzen  leichter  sorgen  ließ  als  für  den  Schliff  der  äußeren
Form  1).  Früher  als  sonst  die  Prinzen  ihres  Hauses  wurden
sie  in  die  Geschäfte  eingeweiht.  Ihre  militärische  Bildung  leitete
unter  Oberaufsicht  des  Gen.-Leutn.  v.  Watzdorf  Major  v.  Cerrini,
  Hofrath  Stübel  hielt  ihnen  juristische,  Hofrath  Günther
staatswissenschaftliche  Vorlesungen,  auch  öftere  Reisen  im  Inund
  Auslande  dienten  ihrer  Ausbildung.  Prinz  Friedrich
wohnte  seit  1819  den  Sitzungen  des  Geheimen  Raths  bei,
Prinz  Johann  trat  im  20.  Jahre  in  das  Geheime  Finanzcollegium
  ein  und  übernahm  1825  als  Vicepräsident  das
Directorium  eines  Departements  desselben  ).  Dem  Hofe  zu-1)

  „Je  suis  très  content  d’enx“  —  schrieb  v.  Watzdorf  über  sie  aus
Prag  1814  —  „  et  surtout  le  Prince  Fréderic  a  de  Télévation  et  de
Tenergie  dans  I’äme  avec  un  dehors  très-  modeste,  presque  timide.
Bref,  il  y  a  de  T’étoffe.“  Dr.  Arch.

2)  Von  den  Töchtern  des  Prinzen  Maximilian  blieb  die  Abteste,  die
talentvolle  Amalie,  unvermählt;  die  zweite,  Marie,  heirathete  1821
den  verwittweten  Großherzog  Ferdinand  III.  von  Toscana  und  wurde
dadurch  die  Schwiegermutter  ihrer  seit  1817  mit  dem  Erbgroßherzog
Leopold  vermählten  Schwester  Marianne;  die  jüngste,  Maria  Josepha,
  wurde  1819  die  dritte  Gemahlin  König  Ferdinands  VII.  von
Spanien;  um  ihretwillen,  vielleicht  um  die  spanischen  innern  Wirren
schlichten  zu  helfen,  unternahm  ihr  Vater  1819  eine  Reise  nach  Spanien.  —
Prinz  Friedrich  wählte  1819  eine  Tochter  des  Kaisers  Franz,  die  Erzherzogin
  Karoline,  zur  Gemahlin,  nach  deren  1832  erfolgtem  Tode  er
1833  zu  einer  zweiten  Ehe  schritt  mit  einer  Tochter  König  Maximilian
Josephs  von  Baiern,  Marie,  der  Zwillingsschwester  der  Erzherzogin