Der  Adel.  Heilige  Allianz.  393

nächst  stand  der  in  Sachsen  besonders  zahlreiche  Adel,  von  der
Außenwelt  kastenartig  abgeschlossen.  Ohne  großen  Besitz,  durch
den  Krieg  noch  mehr  verarmt,  wenig  strebsam  und  durchschnittlich
  von  geringer  geistiger  Bedeutsamkeit,  nahm  er  nichtsdestoweniger
  die  höchsten  und  einträglichsten  Stellen  bei  Hofe,  in
der  Verwaltung  und  der  Armee  für  sich  in  Beschlag  und  fühlte
sich  in  dieser  einträglichen  Abhängigkeit  vom  Hofe  so  behaglich,
daß  er  allem  nationalen  Leben  mit  äußerster  Gleichgiltigkeit
den  Rücken  kehrte.

So  im  Innern  regungslos,  nach  außen  ungefährlich  war
Sachsen  recht  ein  Müsterland  für  jene  kleinen  Geister,  die
ünterstützt  durch  die  allgemeine  Ermüdung  nach  dem  großen
Kriege,  durch  die  Beschäftigung  der  einzelnen  Staaten  mit  ihren
inneren  Einrichtungen  und  finanziellen  Verlegenheiten  sich  gegen
das  Ende  des  zweiten  Decenniums  unseres  Jahrhunderts  der
Leitung  der  politischen  Angelegenheiten  zu  bemächtigen  verstanden.
  Die  Aufgabe,  welche  der  wiener  Congreß  für  Deutschland
lösen  sollte,  war  ungelöst  geblieben,  vielleicht  weil  sie  unlösbar
war.  Die  unfertige  Gestaltung  der  deutschen  Verhältnisse,  wie
sie  aus  jenen  Verhandlungen  schließlich  hervorgegangen  war,
brachte  keine  Befriedigung  nationaler  Bedürfnisse,  selbst  die  ihr
oft  zum  Verdienste  gerechnete  lange  Erhaltung  des  Friedens
war  nicht  ihr  Werk  sondern  das  der  heiligen  Allianz,  welche
Osterreich  und  Preußen  zusammenhielt,  und  welcher  auch  Friedrich
August,  von  den  Gründern  derselben  aufgefordert,  bereitwillig
beitrat,  „da  die  in  jenem  Bündnisse  ausgesprochenen  Grundsätze
  stets  die  seinigen  gewesen  seien"“.  Der  Deutsche  Bund

Sophie  und  jüngeren  Schwester  der  seinem  Bruder  Johann  vermählten
Prinzessin  Amalie,  deren  Zwillingsschwester  wiederum  die  nachherige
Königin  Elisabeth  von  Preußen  war.  —  Von  den  älteren  Gliedern  des
Königshauses  starben  in  dieser  Zeit  des  Königs  Tante,  Prinzessin  Elisabeth
  (geb.  1736)  1818,  seine  Schwester,  Prinzessin  Therese  1820,
sein  Großoheim,  der  letzte  männliche  Sproß  des  sächsisch-polnischen  Königshauses,
  Herzog  Albert  von  Sachsen-Teschen  (geb.  1738),  1822,  endlich,
als  das  älteste  Glied  des  sichsischen  Königshauses,  die  Fürstäbtissin  zu
Essen  und  Thorn,  die  86jährige  Prinzessin  Kunigunde  1826.