410  Sachsen  von  1815—1833.

und  seine  Gattin  der  Universität  ihr  Gartengrundstück  zu  Anlegung
  eines  Hebammeninstituts  und  eines  botanischen  Gartens
vermacht  hatten,  wurde  1810  eine  Professur  und  eine  Schule
für  Geburtshilfe  begründet  und  J.  Ch.  G.  Jörg  zum  Director
der  Entbindungsanstalt  ernannt.  Im  Jahre  1820  ermöglichte
Professor  F.  Ph.  Ritterich  die  Stiftung  einer  Augenheilanstalt
aus  milden  Beiträgen,  die  zugleich  als  klinisches  Institut  für
Studierende  eingerichtet  wurde  1).  Die  bedeutendste  Bereicherung,
  welche  die  Universitätsbibliothek  je  durch  Vermächtniß
erhielt  und  die  ihren  Bestand  um  mehr  als  ein  Drittel,
13000  Bände  und  6=  bis  8000  Dissertationen  erhöhte,  war
die  durch  Dr.  med.  J.  C.  Gehler,  der  ihr  1813  seinen  ganzen
literarischen  Nachlaß  legierte  und  der  erste  Begründer  der  bei
derselben  bestehenden  Naturaliensammlung  wurde;  königliche
Munificenz  ermöglichte  ihr  1817  die  Erwerbung  der  philologischen
  Bibliothek  des  verstorbenen  Professors  G.  H.  Schäfer.
1822  erschienen  endlich  die  schon  1809  in  Aussicht  genommenen
Gesetze  für  die  Studierenden.  Im  Jahre  1820  nahm  die
Regierung  auch  die  Mitwirkung  der  Stände  zu  Unterstützung
der  Universität  in  Anspruch,  deren  diese  allerdings  bedurfte,
wenn  sie  mit  den  jüngeren,  reicher  dotierten  Schwestern  Schritt
halten  wollte.  Dies  gab  den  Ständen  auf  dem  folgenden
Landtage  Anlaß  zu  dem  Antrage,  es  möge  den  Professoren  die
Wirthschaft  der  Universität  ganz  abgenommen,  für  das  Vermögen
  derselben  aber  eine  gemeinschaftliche  Casse  eingerichtet
und  ein  besonderer  Verwaltungsbeamter  angestellt  werden,  und
die  Regierung  gieng  auf  denselben  um  so  lieber  ein,  als  sie
selbst  die  ihrem  Einflusse  hinderliche  alte  Universitätsverfassung
zu  beseitigen  wünschte.  Eine  Reformpartei  unter  den  Professoren
selbst,  Krug  an  der  Spitze  2),  kam  ihr  darin  entgegen.  So
wurde  denn  zu  Verwaltung  des  Universitätsvermögens  1825

1)  Coccius  und  Wilhelmi,  Die  Heilanstalt  für  arme  Augenkranke
zu  Leipzig  (1870).

2)  Krug,  Entwurf  zur  Wiedergeburt  der  Universität  Leipzig  in  Pölitz,
Jahrb.  der  Politik  2c.  1829  I,  225  ff.