König  Anton  I.  419

machte  das  veraltete  Abgabensystem  mit  seiner  ungleichen  Belastung
  doppelt  drückend.

Nur  zu  oft  aber  unterlagen  Maßregeln  der  Regierung,
auch  die  wohlmeinendsten,  von  seiten  des  Volkes,  das  mit  Unmuth
  seine  Ausschließung  von  allen  öffentlichen  Dingen  trug,
der  Mißdeutung.  Denn  über  alle  inneren  Angelegenheiten
herrschte  ein  Preßzwang,  der  lästiger  noch  als  durch  seine
Strenge  durch  die  Willkür  war,  mit  welcher  die  Censoren,  meist
und  zumal  in  den  Provinzialstädten  Männer  von  ganz  beschränktem
  Horizonte,  ihn  vielfach  nur  zum  Nachtheil  der  sächsischen
Pressen  übten  1).  Das  einzige  politische  Blatt,  die  1818
bis  1830  von  J.  Ch.  Gretschel  redigierte  Leipziger  Zeitung,
war  Eigenthum  der  Regierung  und  von  dieser  verpachtet;  allen
übrigen,  von  denen  sich  keines  über  den  Rang  von  Localblättern
erhob,  war  die  Aufnahme  politischer  Nachrichten  gänzlich  untersagt.
  Um  so  mehr  mußte  es  daher  auffallen,  daß  eines  aus
der  Zahl  der  letzteren,  die  von  einem  jungen  Geistlichen  in
Zwickau,  K.  E.  Richter,  begründete  und  mit  Geschick  redigierte
„Biene“,  eine  Ausnahme  von  diesem  Gesetz  machte  und  sich  zu
einem  Sprechsaal  für  innere  Angelegenheiten  auszubilden  anfing.
Zwar  vor  der  streng  verpönten  Kritik  der  Landesverfassung
und  der  königlichen  Behörden  hütete  sie  sich  wohl,  dafür  aber
rügte  sie  mit  einem  bis  dahin  unerhörten  Freimuth  andere
Übelstände,  den  Druck  der  gutsherrlichen  Rechte,  die  Gebrechen
der  Patrimonialgerichtsbarkeit,  ganz  besonders  aber  die  in  den
städtischen  Verwaltungen  eingerissenen  Mißbräuche.  Begierig
gelesen  erlangte  sie  auf  den  Bürger=  und  Bauernstand  großen
Einfluß.  Die  sonst  so  ängstlich  wachende  Censur  ließ  ihr  volle
Freiheit,  ja  auf  die  Klagen  der  angegriffenen  Magistrate  entschied
  die  Regierung  ausdrücklich,  daß  Beschwerden  über  städtische

1)  So  wurde  Tzschirners  Huldigungsrede  an  den  König  Anton  vom
leipziger  Censor  der  Druck  verweigert,  wenn  nicht  einige  Stellen  gemildert
würden,  obwohl  der  König  selbst,  der  sich  ihrer  Freimüthigkeit  und  Herzlichkeit
  freute,  Tzschirner  um  Mittheilung  derselben  gebeten  hatte.
K.  v.  Steinbach  (K.  Hase),  Sachsen  und  seine  Hoffnungen  (1830),
S.  96.  «

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