Leipziger  Revolution  von  1830.  433

durch  das  Versprechen  einer  Rechnungsablegung  beschwichtigt  2).
In  wenigen  Augenblicken  war  die  Allgewalt  des  leipziger  Stadtraths
  dahin;  die  Bürger  hatten  sich  der  Bevölkerung  angeschlossen.


Mit  dem  einbrechenden  Abend  rotteten  sich  die  Haufen,
diesmal  mit  Studenten  und  Bürgern  vermischt,  aufs  neue
zusammen,  ertrotzten  von  dem  Polizeipräsidenten  die  Herausgabe
  zweier  Verhafteten  und  das  Versprechen  seiner  Amtsniederlegung.
  Einzelne  Scharen,  wie  es  schien  unter  bestimmter
Leitung,  warfen  sich  auf  die  Wohnungen  verschiedener  besonders
  verhaßter  Beamter  und  begannen  dieselben  unter  dem
Beifallsrufe  der  gaffenden  Menge  zu  demolieren,  darunter  die
eines  Rathsherrn,  der  wegen  des  Bezugs  eiserner  Hospitalbettstellen
  von  auswärts  sich  den  besonderen  Haß  der  Schlosser
zugezogen  hatte;  die  Lohnkutscher  hatten  es  auf  die  Eilwagen
  im  Poststall  abgesehen;  auch  die  brockhausschen  Schnellpressen
  schwebten  in  Gefahr  zerstört  zu  werden;  ein  anderer
  Sturm  richtete  sich  gegen  die  Freudenhäuser,  die  aus
Gewinnsucht  von  der  Polizei  begünstigt  wurden.  Die  ganze
Stadt  sah  sich  über  Nacht  der  Anarchie  preisgegeben,  man
war  auf  Brandlegung  und  andere  Greuel  gefaßt.  Da  endlich
ermannten  sich  am  Morgen  des  5ten  auf  den  Ruf  des  gebeugten
  Raths  die  Bürger  und  bildeten,  an  der  weißen  Armbinde
  kenntlich,  eine  Nationalgarde  unter  selbstgewählten  Führern.
  Von  ihrem  Rector  Krug  aufgefordert  schlossen  sich  die
Studenten  an  und  in  wenigen  Stunden  war  die  Ordnung
wiederhergestellt.

Am  folgenden  Tage  langten  Geheimerrath  v.  Carlowitz
und  Hofrath  Meißner  als  königliche  Commissare  aus  Dresden
nebst  1200  Mann  Truppen  an;  aber  die  Art,  wie  sie  ihren
Auftrag  ankündigten,  verdroß  und  paßte  nicht  mehr  zur  Sachlage,
  da  der  Aufruhr  bereits  gestillt  war.  Desto  entschlossener
fanden  sie  die  Bürgerschaft,  ihre  Beschwerden  gegen  das  Stadt-1)

  Diese  Angabe  K.  Hase's  bestreitet  der  damalige  Stadtschreiber
Heimbach  in:  Beleuchtung  von  „Sachsen  und  seine  Hoffnungen“.
Flathe,  Neuere  Geschichte  Sachsens.  28