Dresdner  Revolution  von  1830.  435

am  Abend  in  Dresden  selbst  Unruhen  ausbrachen.  Zwei  zu
den  Stadtthoren  hereindrängende  Volkshaufen  stürmten  dem
Anschein  nach  nach  vorbedachtem  Plane  das  Rathhaus,  warfen
die  Actenbündel  auf  die  Straße  und  zündeten  sie  an;  Vorstellungen
  von  Bürgern  retteten  wenigsteus  die  Vormundschaftsacten,
  bis  eine  Artillerieabtheilung  aus  Neustadt  herbeieilte  und
das  Rathhaus  vor  weiterem  Unfuge  schützte.  Unterdessen  war
der  Haufe  auch  in  das  Polizeigebäude  eingedrungen;  es  wurde
gänzlich  demoliert,  Alles,  was  sich  darin  fand,  mit  methodischer
Berechnung  auf  der  Straße  verbrannt.  Die  aus  den  Cantonnierungen
  herbeigezogenen  Schützen  und  eine  Abtheilung
Reiterei  sahen  sich  durch  einen  Steinhagel  zurückgetrieben,  die
spät  aufgebotene  und  wenig  zahlreich  erschienene  Nationalgarde
zeigte  keine  Neigung  einzuschreiten,  ein  Theil  derselben  schloß
sich  sogar  der  Menge  an,  als  diese  sich  auf  die  Truppen  warf
und  sie,  da  dieselben  auffallenderweise  von  der  Feuerwaffe  nicht
ernstlichen  Gebrauch  machen  durften,  nach  der  Brücke  zurückdrängte.
  Am  folgenden  Morgen  verließ  das  ganze  Corps  die
Stadt,  verfolgt  von  dem  Hohn  des  Volkes,  das  den  Schützen,
seitdem  sie  gegen  den  Auflauf  am  Reformationsfeste  heftiger
als  nöthig  eingeschritten,  besonderen  Haß  nachtrug.

Nunmehr  nahm  der  Geheime  Rath  die  Stillung,  zugleich  aber
auch  die  Leitung  der  Bewegung  in  die  Hand.  Er  beschloß  die
Niedersetzung  einer  Immediatcommission  zur  Aufrechthaltung  der
öffentlichen  Ruhe,  unter  dem  Vorsitz  des  Prinzen  Friedrich  bestehend
  aus  den  Geheimenräthen  v.  Zezschwitz,  v.  Lindenau  und
v.  Könneritz,  dem  Generalleutenant  v.  Gablenz,  dem  Departementsdirector
  Eisenstuck  und  den  Hof=  und  Justizräthen  v.  Zedlitz
und  Müller.  Auf  ihren  Ruf  bildete  sich  eine  Sicherheitsbürgergarde,
  zu  deren  Commandanten  v.  Gablenz  ernannt  wurde;
wer  sich  meldete,  erhielt  ein  Gewehr  aus  dem  Zeughause.
Leute,  die  sich  bisher,  durch  Rang  und  Standesvorurtheil  geschieden,
  wie  Fremdlinge  gegenübergestanden,  fanden  sich  auf
einmal  als  Bürger  zu  einer  Volkswehr  zusammen.  Ihre  erste
Waffenthat  war  die  Säuberung  der  Brandstätte  im  Polizeihause,

  etliche  dort  gemächlich  weiter  demolierende  Handlanger
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