Einsiedels  Sturz;  Prinz  Friedrich  Mitregent.  437

rief  er  entrüstet  aus,  „mag  ich  der  König  von  Rebellen  sein,
um  keinen  Preis  kann  ich  gestatten,  daß  meinem  Onkel  ein
solches  Leid  geschehe!“  Nur  Könneritz'  Vorstellung,  daß
seine  Anwesenheit  in  der  Residenz  unter  den  gegenwärtigen
Umständen  unerläßlich  sei,  brachte  ihn  von  dem  Gedanken  ab,
ernsteren  Zumuthungen  durch  seine  Entfernung  auf  den  Königstein
auszuweichen.  In  Begleitung  der  Minister  v.  Nostitz,  v.  Zezschwitz
und  v.  Lindenau  verfügte  sich  hierauf  Könneritz  zum  Grafen  Einsiedel;
  sie  drangen  in  ihn,  er  solle  den  König  unverzüglich  dahin
disponieren,  daß  er  durch  Erwählung  des  Prinzen  zum  Mitregenten
  dem  Weitergreifen  der  Bewegung  vorbeuge.  Der
Graf  lehnte  dies  für  seine  Person  ab,  stellte  es  jedoch  dem
Geheimen  Rath  als  oberster  Landesbehörde  anheim  seinerseits  bei
dem  Könige  den  Vorschlag  zu  erneuern;  er  verschwieg,  daß  er,
durch  ein  Handbillet  des  Königs  aufgefordert,  soeben  seine  Entlassung
  gegeben  hatte.  So  begaben  sich  also  die  Geheimenräthe
nach  Pillnitz  um  dem  Könige  diesen  Wunsch  selbst  vorzutragen.
In  hohem  Grade  überrascht  verlangte  dieser  vorher  sich  mit
seinem  Bruder  zu  besprechen,  theilte  aber  zugleich  dem  Geheimenrath
  v.  Lindenau  mit,  daß  er  ihn  zum  Cabinetsminister  ernannt
habe,  kurz  darauf  auch  den  Übrigen  nicht  nur  die  Gewährung
ihres  Wunsches  sondern  auch  die  unverlangte  Verzichtleistung
des  Prinzen  Maximilian.  Die  Minister  eilten  auf  der  Stelle
nach  der  Stadt  zurück  um  durch  Veröffentlichung  des  Geschehenen
der  drohenden  Bewegung  zuvorzukommen.  Die  Nachricht  ward
mit  allgemeinem  Jubel  ausgenommen  1).  Die  am  14ten  zur
Musterung  vor  dem  König  und  dem  Prinzen  aufgestellte  Volksbewaffnung
  empfing  beide  mit  höchster  Begeisterung,  zumal
gleichzeitig  eine  Anordnung  bekannt  wurde,  daß  die  Grundzüge

1)  v.  Könneritz'  eigener  Bericht  im  Archiv  für  sächf.  Gesch.  I,  169.  —
Graf  Einsiedel  starb  20.  März  1861,  88  Jahr  alt.  Im  Jahre  1848
stellte  sich  heraus,  daß  er  noch  immer  Portofreiheit  genoß,  was  das
Märzministerium  sofort  aufhob.  —  Nach  Böttiger  II,  665  hätte  an
dem  Entschluß  des  Königs  einer  seiner  ältesten  und  treuesten  Diener,  der
Marquis  Piatti,  an  dem  des  Prinzen  Maximilian  dessen  zweite  Gemahlin,
Louise,  geborene  Prinzessin  v.  Lucca,  großen  Antheil  gehabt.