Wiederherstellung  der  Ordnung  1880.  439

verhandeln  zu  wollen,  gab  sie  als  wichtigste  Zusagen  die  Änderung
  des  Stadtpolizeicollegs  uud  der  Armenpflege,  Ablösung
des  Mahlzwangs,  Aufhebung  der  Nationalgarde,  die  Bereitwilligkeit
  der  Regierung  zu  einer  Reform  der  Verfassung  durch
übereinkunft  mit  den  Ständen,  die  Versicherung,  daß  es  niemals
  im  Sinne  der  Regierung  gelegen  habe,  dem  Jesuitenorden
  den  Eingang  in  das  Land  zu  gestatten,  daß  aber  die
Bitte  rücksichtlich  des  Aufwandes  für  die  katholische  irche  auf
übertriebenen  Gerüchten  beruhe.  Der  verhaßte,  zufällig  auf
Urlaub  abwesende  Minister  v.  Manteuffel  wurde  durch  Ernennung
  zum  Bundestagsgesandten  ferngehalten.

Die  übrigen  Städte  des  Landes  ließen  das  Beispiel  der
Hauptstädte  nicht  ungenutzt;  überall  brachen  Beschwerden  gegen
Stadträthe  und  mißliebige  Persönlichkeiten  hervor,  meist  in
ziemlich  harmloser  Weise  und  ohne  erhebliche  Störung  der
Ordnung;  nur  in  Chemnitz  verwüstete  der  Pöbel  die  Häuser
zweier  katholischer  Einwohner,  nicht  aus  Fanatismus  sondern
aus  gemeiner  Raubsucht.  Das  platte  Land  hielt  sich  mit  Ausnahme
  von  einigen  oberlausitzer  Weberdörfern  und  ein  paar
gebirgischen  Waldorten  ruhig,  so  daß  die  Regierung,  welche
Commissare  in  die  verschiedenen  Landestheile  gesendet  hatte,
schon  am  5.  October  verkündigen  konnte,  daß  es  der  Vereinigung
  von  treuem  Bürgersinn  mit  ihrem  ernsten  Wirken
gelungen  sei  die  Ruhe  des  Landes  überall  wiederherzustellen,
welche  mit  Nachdruck  aufrechtzuerhalten  sie  entschlossen  sei,
daß  ferner  die  Vorbereitungen  zu  einer  Reform  nicht  bloß  der
städtischen  sondern  auch  der  Landes-Verfassung  sowie  des  Abgabensystems
  getroffen  seien.  Es  war  daher  ein  sinniger  Gedanke,
  in  beiden  Hauptstädten  das  Reformationsfest  zugleich
durch  Einführung  der  neuen  Communrepräsentanten  und  als
eine  Art  politisches  Friedens=  und  Versöhnungsfest  zu  begehen,
wobei  in  Leipzig  die  Bürgerschaft  den  Studenten  eine  kostbare
Fahne  zum  Geschenk  machte.  In  Dresden  traten  am  Tage
nach  dem  Feste  127  Katholiken  öffentlich  mit  der  Erklärung
hervor,  daß  nach  ihrer  Überzeugung  statt  der  remischen  eine
reformierte,  rein  katholische  Kirche  gegründet  werden  müsse.  Am