500  Sachsen  von  1833—1848.

gerade  sie  die  meisten  Vortheile  und  die  wenigsten  Schwierigkeiten
  darbiete  1).  Kreisdirector  v.  Falkenstein  erwarb  sich  das
Verdienst,  List  bei  der  Regierung  freie  Hand  zu  verschaffen,
die  Concession  wurde  1834  ertheilt  und  die  Gesellschaft  erhielt
die  Erlaubniß  eine  halbe  Million  Thaler  unzinsbare  Papiere
auszugeben.  Doch  hielt  man  das  Unternehmen  von  mehr  als
einer  Seite  für  so  chimärisch,  daß  ein  Antrag  von  Thielau's
auf  Stellung  von  Bedingungen  hinsichtlich  eines  Rückkaufs  oder
Rückfalls  der  Bahn  nach  einer  gewissen  Reihe  von  Jahren  so
wenig  Beachtung  fand  wie  ein  anderer  des  Abg.  Sachße  auf
Ausführung  des  Baues  aus  Staatsmitteln  2).  Im  Jahre  1836
begann  der  Bau  unter  Oberleitung  des  Hauptmanns  Kunz
und  am  7.  April  1839  konnte  die  Bahn  in  ihrer  ganzen  Länge
befahren  werden.  Freilich  bezahlten  die  Erbauer  den  Ruhm,
die  erste  größere  Eisenbahn  in  ganz  Deutschland  ins  Leben  gerufen
  zu  haben,  mit  erklecklichem  Lehrgelde:  der  ursprüngliche
Kostenanschlag  von  4  Millionen  Thalern  war  um  mehr  als
das  Doppelte  überschritten  worden.  Schon  im  Jahre  1840
stellte  die  Eröffnung  der  Actienbahn  nach  Magdeburg  Leipzigs
Verbindung  mit  dem  Norden  her.

Bald  nach  Sicherung  des  Unternehmens  Leipzig-Dresden
bildete  sich  1836  in  Chemnitz  im  Interesse  der  dortigen  Industrie
  eine  Actiengesellschaft  zu  Erbauung  einer  erzgebirgischen

1)  Fr.  List,  über  ein  sschsisches  Eisenbahnsystem  als  Grundlage  eines
allgemeinen  deutschen  Eisenbahnsystems  und  insbesondere  über  die  Anlegung
  einer  Eisenbahn  von  Leipzig  nach  Dresden,  1833.

2)  Überhaupt  herrschten  über  diesen  Gegenstand  die  wunderlichsten
Vorstellungen.  Der  liberale  Abg.  Richter  versicherte,  daß  für  Sachsens
Bedarf  die  jetzigen  Transportmittel  völlig  ausreichten  und  der  Verkehr
zwischen  Leipzig  und  Dresden  keineswegs  so  beschaffen  sei  um  eines  so
großen  Unternehmens  zur  Vermehrung  derselben  zu  bedürfen.  1837  petitionierten
  die  Grundbesitzer  im  plauenschen  Grunde  gegen  eine  Dresden-Tharander
  Bahn  und  noch  1846  behauptete  ein  Abgeordneter  von  Dresden,
durch  die  Eisenbahnen  sei  dem  dresdner  Handelsstand  nur  Abbruch  geschehen.
  Andere  sahen  die  Existenz  des  Mittelstandes  durch  die  Eisenbahnen
  bedroht.