504  Sachsen  von  1833—1848.

und  die  dadurch  erweckte  Sorge,  was  bei  einem  weiteren  Rückgange
  des  Bergbaus  aus  der  zahlreichen  Gebirgsbevölkerung
werden  solle,  bewog  den  Ober-Berghauptmann  v.  Herder  zu
dem  Vorschlage,  die  ertrunkenen  Baue  im  halsbrücker  Vereinigt
Feld  und  andere  durch  Anlegung  eines  11360  Lachter  langen,
oberhalb  Meißens  in  die  Triebisch  mündenden  Stollns  wieder
gangbar  zu  machen,  wovon  er  sich  ein  weiteres  Ausbringen
von  300  bis  400  Millionen  versprach.  Nachdem  er  den  ersten
Plan  dahin  reduciert  hatte,  daß  der  Stolln  in  geringerer
Teufe  und  nur  bis  Rothschönberg  6441  Lachter  weit  geführt
werden  sollte,  wofür  er  eine  Bauzeit  von  22  Jahren  und
1,300000  Thlr.  Kosten  berechnete,  genehmigten  Regierung  und
Stände  denselben  und  der  Bau  begann  1844,  er  erwartet
jedoch  den  Beweis  seiner  Zweckmäßigkeit  noch  von  der  Zukunft.

Die  Planmäßigkeit  und  einheitliche  Entwickelung,  welche  die
gesamte  gesetzgeberische  Thätigkeit  seit  1831  kennzeichnete,  trat
wohl  nirgends  deutlicher  hervor  als  in  der  schrittweise  und
consequent  weiter  geführten  Entlastung  des  Grundeigenthums
und  der  zur  Hebung  des  Realcredits  nöthigen  Reform  des
Grund=  und  Hypothekenwesens.  Seitdem  die  gesetzliche  Vorschrift,
  welche  das  Festhalten  an  der  Dreifelderwirthschaft  verlangte,
  damit  die  Ausübung  der  Frohnden  und  Servituten
nicht  gestört  würde,  gefallen  war,  begann  der  Aufschwung  der
Landwirthschaft.  Anfangs  glaubte  auch  sie  noch  gleich  der
Industrie  der  directen  Beihilfe  der  Regierung  benöthigt  zu  sein
und  1834  bewilligten  die  Stände  nicht  nur  zu  diesem  Zwecke
5000  Thlr.,  sondern  beantragten  auch,  obgleich  Prinz  Johann
dies  mit  Recht  als  einen  volkswirthschaftlichen  Fehler  rügte,
daß  die  Regierung  für  ihre  Magazine  nur  inländisches  Getreide
kaufen  möge;  mehr  und  mehr  jedoch  lernte  auch  sie  die  Bedingungen
  ihres  Gedeihens  in  der  Ablegung  eingewurzelter
Vorurtheile  und  rationellerem  Betriebe  suchen,  eine  Erkenntniß,
welche  durch  die  1830  als  ein  Nebenzweig  der  tharander
Forstakademie  eröffnete  landwirthschaftliche  Anstalt,  durch  die
Entstehung  zahlreicher  landwirthschaftlicher  Vereine  und  in  weiteren
  Kreisen  durch  die  1837  zu  Dresden  gestiftete  Wander-