Beginnende  Mißstimmung.  Das  Jahr  1840.  525

wesens  war  gar  nicht  unterstützt  worden;  seit  dem  Eingehen
der  Biene,  der  Sachsenzeitung,  des  Vaterlandes  und  der
Krauseschen  Landtagsblätter  beschäftigte  sich  höchstens  die  Ameise
(1833—1848)  mit  den  öffentlichen  Zuständen  des  Landes.  Erst
nachdem  1837  das  Monopol  der  (seit  1831  unter  fiscalischer
Selbstverwaltung  stehenden)  Leipziger  Zeitung  als  einzigen
politischen  Blattes  gefallen  war,  gründete  Brockhaus  die  Leipziger
  (später  Deutsche)  Allgemeine  Zeitung,  das  erste  von  der
Regierung  unabhängige  politische  Blatt  Sachsens,  und  1839
fing  das  Dresdener  Wochenblatt  an  sich  zu  einem  allgemeinen
Organ  für  das  öffentliche  Leben  Sachsens  zu  erheben,  aber  erst
1841  mit  seiner  Übersiedelung  nach  Leipzig  erhielt  es  unter
dem  Titel  Sächsische  Vaterlandsblätter  einen  größeren  Einfluß
auf  die  öffentliche  Meinung.  «

Denn  auch  für  Sachsen  bildete  das  Jahr  1840  und  der
Umschwung,  der  in  Preußen  mit  der  Thronbesteigung  Friedrich
Wilhelms  IV.  eintrat,  einen  Wendepunkt  der  politischen  Entwicklung.
  Hatte  schon  der  Zollverein  das  langentbehrte  Gefühl
der  Zugehörigkeit  zu  einem  großen  Ganzen  geweckt,  hatten  schon
die  Eisenbahnen  hier  wie  in  allen  übrigen  kleinen  Staaten
die  Bevölkerung  aus  ihrer  Vereinzelung  herausgerissen,  so  richtete
  sich  von  jetzt  ab  auch  der  politische  Blick  über  die  Grenzen
des  engeren  Vaterlands  freier  hinaus  auf  alles,  was  deutsch
hieß,  die  Idee  der  nationalen  Einheit  ergriff  und  durchleuchtete
die  Herzen.  Auf  den  Zusammenkünften,  welche  eine  Anzahl
süddeutscher  Volksvertreter  zuerst  1839  in  Hattersheim  und
dann  alljährlich  hielten  um  ein  gleichmäßiges  Verhalten  der
deutschen  Kammern  anzubahnen,  fanden  sich  auch  aus  Sachsen
mehrere  patriotisch  denkende  Männer  ein.

Diese  nationale  Richtung  fand  nirgends  einen  günstigeren
Boden  als  in  Leipzig,  dessen  ungemein  kräftiges  Emporblühen
seit  dem  Anschluß  an  den  Zollverein  alle  damals  gehegten  Befürchtungen
  gänzlich  zu  nichte  gemacht  hatte.  Die  dritte  Secularfeier
  der  Erfindung  der  Buchdruckerkunst,  welche  24.  bis
26.  Juni  1840  hier  begangen  wurde,  gestaltete  sich  zu  einem
Volksfest  edelsten  Charakters,  wie  Sachsen,  ja  Deutschland,  noch