Literatenthum.  Landtag  1842/43.  527

Halle  durch  die  preußische  Censur  vertrieben,  die  Redaction
seiner  Jahrbücher  für  Wissenschaft  und  Kunst  1841,  Dank
Lindenau's  liberalem  Entgegenkommen,  nach  Dresden  verlegte.
Kaum  aber  hatte  er  angefangen  sich  an  diesem  Asyl  eine
Jüngerschaft  zu  gründen,  als  die  Verfolgung  ihn  auch  hier
erreichte.  Dieselbe  Behörde,  die  früher  eine  Corncession  für
die  Jahrbücher  als  eine  rein  wissenschaftliche  Zeitschrift  für
unnöthig  erklärt  hatte,  ertheilte  nachher  aus  eignem  Antrieb
dem  Verleger  derselben,  O.  Wigand,  eine  solche  auf  Widerruf,
  um  nämlich,  wie  Anfang  1843  auf  preußisches  Andringen
geschah,  durch  deren  Zurücknahme  die  Zeitschrift  unterdrücken
zu  können.  Es  war  der  erste  Fall  dieser  Art  in  Sachsen
seit  Unterdrückung  der  Biene  1).  Zu  dieser  umsichgreifenden
Gährung  in  den  Geistern  gesellte  sich  aber  auch  noch  als  Folge
theils  des  stockenden  Absatzes  mehrer  sächsischer  Hauptfabrikate
theils  einer  Mißernte  in  dem  dürren  Jahre  1842  und  des
Auftretens  der  Kartoffelkrankheit  ein  materieller  Nothstand,  der
besonders  die  ärmeren  Landestheile  schwer  heimsuchte  und  durch
zahlreiche  große  Brände,  die  unter  anderen  die  Städte  Oschatz,
Sayda  und  Adorf  verzehrten,  noch  schreckhafter  wurde.

Eine  gewisse  Gespanntheit  der  Verhältnisse  war  daher  unverkennbar,
  als  der  Landtag  Ende  1842  zum  viertenmale  zusammentrat.
  Abermals  hatten  sich  die  Reihen  der  Opposition
verstärkt;  Oberländer  aus  Zwickau,  Tzschucke  aus  Meißen,
Schumann  aus  Stollberg,  in  den  meisten  Fragen  auch  Schröder
aus  Rochlitz  und  H.  Brockhaus  aus  Leipzig  schlossen  sich  den
Kämpfern  des  vorigen  Landtags  an.  Als  Todt  auch  diesmal
seinen  Antrag  auf  Erlaß  einer  Adresse  einbrachte,  erhoben  sich
viele  Stimmen  dafür,  indem  dies  die  einzige  Gelegenheit  sei,
wo  die  Kammer  ohne  Einfluß  der  ersten  ihre  Wünsche  und
Beschwerden  vortragen  könne,  und  gerade  daß  Lindenau  der
Kammer  das  Recht  zu  einer  einseitigen  Adresse  bestritt,  bewog
viele  frühere  Gegner  des  Antrags  für  denselben  zu  stimmen,

1)  Helbig:  „A.  Ruge  in  Dresden  1841—1843“,  Im  Neuen  Reich
1871,  Nr.  33.